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Am 5. Juni 1288 entschied sich auf der Fühlinger Heide bei Worringen in wenigen Stunden für Jahrhunderte das Schicksal des Niederrheins: Düsseldorf wurde Stadt, die Kölner Bürger besiegten ihren Erzbischof und errangen die Freiheit.

Am Festtag des Heiligen Bonifatius stehen sich auf den Äckern südlich des heutigen Kölner Stadtteils zwei waffenstarrende Heere gegenüber, undSchlacht um Worringen bevor die blutigste Ritterschlacht des Mittelalters überhaupt beginnt, scheint ihr Sieger ausgemacht: Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg sucht hier auf der Fühlinger Heide die Entscheidung in einem seit acht Jahren quer durch Nordwest-Europa wütenden Krieg. Und er hat seine Gegner in der Falle.

Der Erzbischof führt einen Stellvertreterkrieg für den Graf von Geldern, der mit Graf Adolf von Berg darum streitet, wer die Grafschaft Limburg erbt. Graf Adolf hat sich seinerseits mit Johann von Brabant verbündet, dem militärischen Popstar seiner Zeit – und mit den Bürgern der Stadt Köln. Losgezogen sind die Verbündeten, um die Burg Worringen zu belagern, ein übles Raubritter-Nest des Kölner Erzbischofs. Als der Kölner Erzbischof auf der Fühlinger Heide erscheint, können die bergischen und kölnischen Verbündeten nicht mehr fliehen. Rechts haben sie die Burg und links den Rhein im Rücken, vor ihnen steht ein Heer von 40 000 Mann.

Sie sind gerade einmal 15 000, haben taktisch die schlechtere Position und viel zu wenige Panzerreiter. Graf Adolf, der nur über wenige Ritter verfügt, hat Hunderte bergische Bauern als Fußtruppen bei sich. Mit ihnen auf der linken Flanke nah des Rheins stehen die Kölner Bürger-Milizen, die der Patrizier Gerhard Overstolz anführt. Zumindest, bis er vom Pferd steigt und vor Erschöpfung an einem Herzinfarkt stirbt, bevor die Schlacht überhaupt begonnen hat.

Der Erzbischof kann seinen Sieg kaum erwarten. Bei der Abtei Brauweiler hat er dem Heer um 9 Uhr die Heilige Messe gelesen und seinen Rittern und Soldaten vorsorglich alle Sünden vergeben, die sie an diesem Tag begehen werden. Und noch bevor er aufs Pferd steigt, verkündetet er: "Hört, Ihr Herren überall, uns ist großes Glück am heutigen Tag zuteil geworden; denn der Walfisch, den ich erbeutet habe, das ist der Herzog von Brabant." Als die Schlacht gegen 11 Uhr beginnt, stürmt der Erzbischof jedoch nicht in die Mitte des Feldes, wo Herzog Jan das Zentrum des Koalitions-Heeres bildet, sondern greift zunächst die linke Flanke an, wo die bergischen Bauern und die Kölner Milizen stehen. Es dauert keine Stunde, bis die Teil-Armee aus Bürgern und Bauern von den Söldnern des Erzbischofs vollständig überrannt ist.

Weil keines der beiden Heere über einen einheitlichen Oberbefehl verfügt, verliert sich die Schlacht in einer Vielzahl wilder Einzelgefechte. Während die Gelderner Verbündeten des Erzbischofs bereits zum Plündern übergangen sind, kämpft der Erzbischof noch immer auf der linken Flanke. Und dann geschieht in den frühen Nachmittagsstunden, womit niemand gerechnet hat: Die Kölner Bürger und die bergischen Bauern formieren sich neu. Angeführt werden sie von einem Mönch namens Walther Dodde, der sie mit dem Schlachtruf "Hya, Berge romerijke" (hoch, ruhmreiches Berg) auf das Feld zurückführt. Nah am Rheinufer umgeht Dodde das kämpfende Heer und fällt den Truppen des Erzbischofs in den Rücken. Als die Kölner Bürger den Fahnenwagen des Erzbischofs erobern, wendet sich die Schlacht – und dann erschlagen die bergischen Bauern das halbe Heer des Erzbischofs.

Die Ritter in der Schlacht kämpfen, um Gefangene zu machen und später gegen Lösegeld zu tauschen. Die bergischen Bauern kämpfen um ihr nacktes Leben. Mit Knüppeln voller Eisennägel und Dreschflegeln erschlagen sie alles, was ein Kettenhemd trägt und auf einem Pferd sitzt. Sie können anhand der Wappen nicht unterscheiden, wer Freund oder Feind ist. Am Ende dieses Tages liegen fast 6000 Tote auf dem Schlachtfeld. "Der Verlust und der Jammer waren groß, denn es kamen nicht viele Bauern oder Knechte um, sondern die man fand, waren von Herkunft und Ritterlichkeit die Besten aus allen deutschen Landen", notiert ein Chronist. Es dauert sechs Tage, die Toten zu beerdigen.

Die Folgen der Schlacht wirken bis heute nach: Graf Adolf erhebt Düsseldorf zur Stadt. Die Kölner reißen die Burg Worringen nieder, die Steine verwenden sie für ihre Stadtmauer. Bis 1794 hüten sie den Fahnenwagen des Erzbischofs als Zeichen ihres Sieges im Zeughaus. Der Weg Kölns zur freien Stadt ist nicht mehr aufzuhalten. Der Plan des Erzbischofs von einem niederrheinischen Staat unter seiner Herrschaft ist für immer gescheitert.

 

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