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Dem legendären „Ratinger Hof“ wurde ein liebevoll gestaltetes Buch gewidmet. Es beleuchtet vor allem die Anfangsjahre von 1977 bis 1985.

Als der New Yorker Club CBGB’s 1974 schon als „Keimzelle des Punk“ galt, war der Ratinger Hof an der Ratinger Straße noch weit davon entfernt, so etwas wie sein deutsches Pendant zu werden.

Die Hausnummer 10 war eine ziemlich unspektakuläre, etwas schmuddelige Hippie-Bude, die sich nicht groß von anderen Altstadtkneipen unterschied. Das änderte sich grundlegend, als Carmen Knoebel und Ingrid Kohlhöfer 1975 den Laden übernahmen und gemeinsam mit ihren Gästen und Mitarbeitern zu einem einzigartigen Ort machten.

Schnell bildete die schmucklose, neonbeleuchtete Kneipe den Mittelpunkt einer neuen und aufregenden Kunst- und Musikszene. Bands wie DAF, Mittagspause, Male, ZK oder Fehlfarben wurden im Ratinger Hof gegründet oder probten dort im Keller. Internationale Bands wie Pere Ubu oder Wire spielten auf der improvisierten Bühne erstmalig in Deutschland eine Musik, die jedem Zuhörer sofort klar machte, dass etwas völlig Neues begonnen hatte.

„Das Ratinger Hof Buch“ ist ein Schatz an Erinnerungen

Der in London lebende Cartoonist Ralf Zeigermann, selber Hof-Stammgast der ersten Jahre, hat dem mittlerweile zur Kultstätte idealisierten Ort jetzt ein sehr liebevoll gestaltetes Buch gewidmet, das vor allem die Zeit von 1977 bis 1985 beleuchtet. „Das Ratinger Hof Buch“ ist ein Din- A-4-Querformat, das in einer stabilen Metallkassette unter einer dicken Schaumstofflage liegt wie in einer Schatzkiste. Und ein Schatz an Erinnerungen ist es tatsächlich geworden.

Auf 168 Seiten lässt Zeigermann zahlreiche Protagonisten der Szene zu Wort kommen. Peter Hein (Fehlfarben), Jürgen Engler (Krupps, Male), Moritz Reichelt (Der Plan),Werbepapst Michael Schirner und viele andere, nicht so bekannte Gäste, schildern kurz und prägnant, was der Ratinger Hof ihnen bedeutet hat, ohne ihn dabei zu verklären. So erinnert sich Fernsehmoderatorin Susanne Reimann: .„Der Laden war ein echtes Loch. Das Schlimmste waren die Klos.“

Peter Hein schreibt: „Was für Legenden ranken sich um dieses eigentlich doch als nichts weiter als ein Drecksloch zu bezeichnende rheinische Unikum von Kneipe.“ Ein paar Zeilen später bringt er jedoch auf den Punkt, was den Hof für seine Gäste wohl wirklich ausmachte: „Aber wer immer da war, war in der Regel o.k., denn die A...löcher waren ja draußen.“ Drinnen waren „fast nur Leute, die was machten“, erinnert sich Fotograf Richard „ar/gee“ Gleim, der auch viele Fotos zu dem Buch beigesteuert hat.

Auch Herausgeber Ralf Zeigermann hat damals eine große Zahl an Aufnahmen gemacht, die die Atmosphäre dieser Jahre wiedergeben. Grobkörnige Schwarz-Weiß-Bilder erzählen von aufregenden Konzerten und energiegeladenen Abenden, aber auch von öden Nachmittagen, die man am Flipper oder vor dem ewig stumm vor sich hinflimmernden Fernseher verbrachte.

Bunte Irokesen und Springerstiefel sucht man auf den Bildern übrigens vergeblich, denn für die Punks der frühen Jahre gab es schlichtweg noch keine Uniformen aus der Boutique. Die Kleidung wurde selbst gemacht.

In den Jahren, als sich dies änderte und der Ausverkauf des Punk begann, endet dieses wunderbare Buch.

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