DieWelt schreibt Di. 04:00h :

Das Feuer war zerstörerisch: Bei dem Großbrand im Hotel Lindentor in der Nacht zu Dienstag waren drei Menschen schwer verletzt worden, es entstand ein Sachschaden von rund 300 000 Euro. Die Feuerwehr musste mehrere Menschen retten, 40 Männer waren im Einsatz. Jetzt hat die Polizei einen 18-jährigen Düsseldorfer festgenommen - wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung und des versuchten Mordes. Am Sonntag erging Haftbefehl gegen Florian N., der zum Tatzeitpunkt als Gast in dem Hotel wohnte. Das Motiv ist unklar.

In der Tatnacht war die 35-jährige Frau des Pächters von einer Explosion aufgeschreckt worden, hatte Rauch gesehen und ihren

42-jährigen Ehemann geweckt, der noch an die Türen der Hotelgäste klopfte. Anschließend war das Paar mit seinen drei Kindern durch ein Fenster geflüchtet, wartete auf einem Dach auf die Retter. Zusammen mit ihnen wurde auch der Verdächtige Florian N. gerettet, ein anderer Hotelgast musste per Drehleiter von einer Dachgaube gebracht werden. Am Mittwoch konnte die Polizei das Gebäude an der Werstener Dorfstraße begutachten - und war schnell sicher: Es war Brandstiftung. Im Erdgeschoss seien zweifelsfrei Spuren von Brandbeschleuniger entdeckt worden, sagte Polizeioberkommissar Steffen Franke gestern. Der Blick der Ermittler richtete sich dann auf die Verletzten. "Der 18-Jährige war besonders stark berußt und hatte auffällige Verletzungen an den Unterarmen", so Franke. Die Ermittler suchten nach dem jungen Mann, der jedoch nicht aufzufinden war. "Die Familie wollte uns seinen Aufenthaltsort nicht nennen." Die Beamten ermittelten weiter im Umfeld des Mannes. Am Sonntag hatten sie schließlich Erfolg: Florian N. wurde in Bilk auf der Straße festgenommen.

Gestanden hat der 18-Jährige bisher jedoch nicht. "Er hat umfassende Aussagen gemacht, aber die Tat bestritten", erläuterte Staatsanwalt Andreas Stüve. Nach seiner Bewertung ist die Tat als versuchter heimtückischer Mord einzustufen: "Die Leute gehen ins Bett und rechnen nicht damit, dass jemand nachts Feuer legt." Ihnen sei jede Fluchtmöglichkeit genommen worden.

Die Ermittler halten die Brandverletzungen des 18-Jährigen, der wegen kleinerer Delikte polizeibekannt ist, für einen klaren Hinweis. Er habe sich bei seinen Erklärungen in Widersprüche verwickelt, sprach einmal von einer Stichflamme, bei anderer Gelegenheit davon, dass ihm beim Öffnen eines Fensters heiße Luft entgegen schlug. Staatsanwalt Stüve stützt sich hingegen auf die Aussage des Rechtsmediziners. "Diese Art Verletzung kann nur durch offenes Feuer entstanden sein."

Warum der Verdächtige das Feuer gelegt haben könnte, ist noch unklar. Er wohnte seit einer Woche wegen familiärer Schwierigkeiten in dem Hotel, wollte eine weitere Woche bleiben. Vor einigen Monaten hatte er dort ebenfalls schon einmal längere Zeit verbracht. Ob es dabei möglicherweise Auseinandersetzungen mit den Pächtern gegeben hat, ist nicht bekannt.

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