DerWesten schreibt Di.:

Bei einem Feuer wurde das Hotel „Lindentor“ in Wersten in der Nacht zu Dienstag fast völlig zerstört. Drei Gäste erlitten lebensgefährliche Rauchvergiftungen. Der Schaden: mehr als eine halbe Millionen Euro.

Das kleine Hotel war in die Jahre gekommen. Ein alter Eckbau an der Werstener Dorfstraße mit ein paar Gästezimmern. Aber die Menschen in dem Stadtteil gingen gerne mal ins Restaurant mit dem kleinen Biergarten an der Ecke. Dort war man unter sich. Die Schützen trafen sich im Saal. Hochzeiten wurden gefeiert. Jetzt zu Ostern bat der Wirt um Tischreservierung, lud der Koch, ein Türke, zum Menü mit Rheinischem Sauerbraten und Vanilleeis mit heißen Kirschen. Ostermontag ist der letzte Gast um 22 Uhr gegangen. Fünf Stunden später steht das Hotel in Flammen, erleiden drei Menschen lebensgefährliche Rauchvergiftungen.

Marion B. braucht beim Schlafen frische Luft. Deshalb steht das Schlafzimmerfenster auf Kipp - auch wenn es kalt ist, wie in der Nacht zum Dienstag. Plötzlich wird sie wach, hört die Sirenen - und riecht den stechenden Qualm. „Das war so schlimm. Ich dachte zuerst, es brennt bei uns.“
Raus, schnell raus...

Das Feuer wütet ein paar Häuser weiter, der Rauch breitet sich in Windeseile aus. Die fünfköpfige türkische Familie des Kochs schläft gerade im ersten Obergeschoss, als der Vater in die Zimmer stürmt, seine 35-jährige Ehefrau, die elf und 21-jährigen Söhne sowie die 19-jährige Tochter weckt. Raus, schnell raus! Sie haben es noch geschafft, sich in Sicherheit zu bringen. Der Wirt hat aber zu viel Rauch geschluckt. Wenig später liegt der 42-Jährige auf der Intensivstation der Uni-Klinik.

Ein zweiter Hotelgast steckt in der Falle. Der 18-Jährige steht am Fenster des ausgebauten Dachstuhles. Er schreit um sein Leben. Der Fluchtweg ist abgeschnitten. Das Treppenhaus mit den Holzvertäfelungen und der hölzernen Stiege brennt lichterloh. In wenigen Minuten wird auch der Dachstuhl in Flammen stehen.

Dem um 3.09 Uhr alarmierten Löschzug der Werstener Wache gelingt es trotz mehrerer geparkter Autos, die in den kleinen Gassen im Weg stehen, im letzten Moment die Drehleiter auszufahren, den 18-Jährigen zu retten sowie einen weiteren 42-jährigen Gast aus dem Haus zu holen. Auch sie müssen sofort auf die Intensivstation

Erst am Vormittag können die letzten Rettungskräfte abrücken, sind endlich alle Glutnester gelöscht. „Nahezu das gesamte Haus ist vom Feuer zerstört worden“, berichtet Feuerwehr-Sprecher Hans-Jochen Hermes. Der Sachschaden: über eine halbe Million Euro. Die Brandursache ist noch völlig unklar. Die Kripo hat die Ermittlungen übernommen und einen Sachverständigen beauftragt. Bisher geht man davon aus, dass das Feuer im Treppenhaus ausgebrochen ist.

Auf der Straße steht der 21-jährige Sohn des Kochs. Er kann sich an kaum etwas erinnern, es sei alles so schnell gegangen. Ein Anwohner kommt auf ihn zu. „Wie geht es Deinem Vater“, fragt er voller Anteilnahme. „Glück im Unglück“

Da lächelt der junge Mann kurz: „Besser, es geht ihm besser.“ Der Sohn hat vor kurzem erfahren, dass keine Gefahr mehr besteht. Sein Vater wird sich bald auf den Heimweg machen. Der Nachbar zeigt sich erleichtert. „Glück im Unglück.“ Glück auch für die beiden Gäste. Am Nachmittag teilt die Feuerwehr mit, dass sie außer Lebensgefahr sind, nicht mehr künstlich beatmet werden müssen und auf eine normale Station verlegt werden können.

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