WZonline schreibt Do. 2010-12-23 :

Wenn es nicht Florian N. war, wer hat den Brand dann gelegt?

Die Mutter und die Freundin fallen sich in die Arme, als der Vorsitzende Richter den Freispruch verkündet. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 19-jährigen Florian N. vorgeworfen, den Brand im Hotel Lindentor gelegt und so den möglichen Tod von sechs Hausbewohnern in Kauf genommen zu haben.

Am 6. April war das Hotel in Flammen aufgegangen, die Pächterfamilie und die zwei Gäste konnten sich auf das Dach retten. Es entstand ein Sachschaden von rund 500 000 Euro. Die Ermittler waren sich sicher: Als der Pächter gegen drei Uhr gegen die Türen der Hotelgäste klopfte, um sie auf den Brand aufmerksam zu machen, wusste einer bereits, was geschehen war. Florian N. musste Benzin im Flur verteilt und das Feuer entzündet haben. Die Brandwunden an Händen, Unterarmen und unter der Nase ordneten die Ermittler der Brandlegung zu. Staatsanwältin Britta Schreiber forderte sechs Jahre Haft.

„Sämtliche Indizien sind nicht so durchgreifend, dass wir zu einer Verurteilung kommen können“, erklärte der Vorsitzende Richter den Freispruch. Ein Sachverständiger hatte während des Prozesses ausgesagt, dass eine Stichflamme nach der Entzündung großflächige Verletzungen verursache. Dann wären auch Wimpern und Haare verbrannt worden. Bei Florian N. waren die Verletzungen jedoch punktuell, weder Nasenhaare noch Armbehaarung waren verbrannt. „Wir haben nichts gefunden, dass seine Verletzungen erklären konnte“, sagte der Richter. Für seine Unschuld spreche auch die Aussage des Rettungssanitäters. Der hatte keinen Benzingeruch an seiner Kleidung festgestellt. Außerdem sei kein Motiv für die Tat zu erkennen, so das Gericht. Florian N. habe weder mit seiner Mutter noch mit seiner Freundin gestritten. Frustration schloss die Kammer aus.

Doch wenn nicht Florian N., wer hat den Brand gelegt? „Die Pächterfamilie hätte sich nicht in eine lebensgefährliche Situation begeben“, sagte der Richter. Der Eigentümer des Hotels habe erst im März die Versicherungssumme um 120 000 Euro erhöht. Damit sei er aber immer noch unterversichert gewesen – ob er das jedoch gewusst habe, ist zweifelhaft.

Die Kammer brachte erstaunliche Hinweise ans Licht: die Hoftür stand zur Tatzeit offen – jemand muss sie mit einem Schlüssel geöffnet haben. Wenige Tage vor der Tat war über die Hoftür – zur gleichen Uhrzeit wie beim Brand – eingebrochen und der Spielautomat geplündert worden. Das Gericht geht davon aus, dass der Einbruch fingiert war und der Täter einen Schlüssel benutzt hat. „Es gibt viele offene Fragen“, sagte der Richter. Die Staatsanwältin Britta Schreiber kündigte an, in Revision zu gehen.

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