RPonline schreibt Di. 20.30h :

Ein Feuer hat in der Nacht zu Dienstag das Lindentor in Wersten völlig zerstört. Die Feuerwehr rettete zwei Gäste aus dem Dachgeschoss. Beide hatten wie der Pächter, schwere Rauchvergiftungen erlitten. Der Pächter und seine Familie verloren durch den Brand ihre Wohnung.

16 Vereine heimatlos
Immer wieder musste Thomas Drösser am Dienstag eine Frage beantworten: „Nein, der Saalbau ist nicht betroffen Eure Fahnen sind in Ordnung.” 16 Werstener Vereine haben im 1894 gegründeten Lindentor ihr Stammlokal, bewahren dort auch ihre Schätze auf. Zu den jetzt wohl heimatlosen Vereinen zählen auch die Karnevalsgesellschaft Knaasköpp und viele Schützengesellschaften.

Das durchdringende Pfeifen seines Rauchmelders weckte Thomas Drösser kurz nach drei. Und während er noch realisierte, dass der schwarze Qualm in seiner Küche durchs offene Fenster hereingezogen war, da „klingelte es auch schon Sturm”, sagt der Gastwirt.

Er hat hinausgesehen auf die Kampstraße, die schwarz war vor Rauch, und „dann hab‘ ich gesehen, dass das Lindentor brennt.” Kurz nach Mitternacht hatte Drössers Geschäftspartner, der im Lindentor kocht, die Gaststätte geschlossen. Im Dachgeschoss waren zwei der vier Gästezimmer belegt ein 18- und ein 42-Jähriger Mann auf Familienbesuch in Düsseldorf hatten die Zimmer bis heute gebucht. Beide schliefen, als das Feuer ausbrach.

So wie der Koch, der mit seiner 35 Jahre alten Frau und den drei Kindern (20, 16 und zwölf Jahre alt) im ersten Stock über dem Lokal wohnt. Als er den Brand bemerkte, weckte er seine Familie, flüchtete mit ihr in den Hof. Treppenhaus stürzt ein Als Thomas Drösser dort hin geeilt war, stand der 18-jährige Gast vor der Dachgaube seines Zimmers auf dem Anbau und schrie um Hilfe. Ihn holte die Feuerwehr über die Drehleiter nach unten.

Den zweiten Gast brachte ein mit schwerem Atemschutzgerät ausgerüsteter Rettungstrupp unter einer Fluchthaube ins Freie. Sekunden später brach das hölzerne Treppenhaus vom Dach bis zum Erdgeschoss krachend in sich zusammen.

„Da hatten wir wirklich Glück”, sagte ein Feuerwehrmann später. In dem Moment aber bedeutete der Treppeneinsturz nur zusätzlich erschwerte Bedingungen für die Löscharbeiten die Feuerwehr konnte nur noch von den inzwischen drei eingesetzten Drehleitern aus gegen die lodernden Flammen vorgehen.

Bei dem Koch, der mit seiner Familie hilflos mitansehen musste, wie nicht nur sein Arbeitsplatz, sondern auch seine Wohnung mit allem Hab und Gut zerstört wurde, stellte der Notarzt eine schwere Rauchvergiftung fest. Auch die beiden Hotelgäste hatten extrem hohe Kohlendioxid-Werte und wurden in die Intensivstation der Uni-Klinik eingeliefert.

Der 18-Jährige musste für mehrere Stunden in einer Druckkammer mit Sauerstoff behandelt werden. Frau und Kinder des Kochs brachte die Feuerwehr für die Nacht in einem Hotel unter. Nachbarn brachten Thomas Drösser gestern spontan Kleidung für die Familie vorbei, die alles verloren hat. In ihre Wohnung werden sie nie wieder zurückkehren, denn „selbst wenn da noch etwas heil ist”, sagt Drösser, „man kommt ja nicht mehr dran.” Das Haus, in dem vor 116 Jahren das Lindentor gegründet wurde, ist einsturzgefährdet.

Nicht einmal die Brandermittler der Kripo wagten sich gestern in die heiße Ruine. Erst wenn sich heute die Brandgase verzogen haben, soll die Ursachenermittlung beginnen. „Das wird sehr schwierig, weil so vieles zerstört ist”, sagte Polizeisprecher Marcus Niesczery gestern. „Der Brand ist wohl lange unbemerkt geblieben”, vermutet ein Feuerwehrmann, „deshalb ist die Zerstörung so enorm.”

Fest steht: In der Gaststätte ist der Brand nicht ausgebrochen. Und eine nagelneue Brandschutztür, auch als Einbruch-Schutz installiert, hatte die Flammen von dort weitgehend ferngehalten. Dann tropfte das Löschwasser durch die Decke, der Ruß schlug sich nieder. An eine Wiedereröffnung ist nicht zu denken, sagt Drösser. „Das ist mehr als ein Totalschaden.”

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