Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Der jüngste Clou Düsseldorfs dürfte in Hamburg einigen Neid ausgelöst haben: Chinas großer Haushaltsgerätehersteller Midea verlegt sein Vertriebsbüro von der Elbe an den Rhein und heizt damit die Rivalität zwischen den beiden Städten um die chinesische Wirtschaftskraft weiter an.

Vorläufiger Höhepunkt des Haders dürfte aber die Expo 2010 in Schanghai sein, auf der beide Städte vertreten sind.

Der Umzug von Midea von der Elbe an den Rhein - die Firma hat immerhin im Jahr 2008 einen Umsatz von rund acht Mrd. Euro erwirtschaftet - gilt als Zeichen dafür, dass die Chinesen Wettbewerbsvorteile in Düsseldorf sehen. Doch noch hat die Hansestadt als traditionsreiches Handelszentrum mit dem größten China-Hafen Europas die Nase vorn. Knapp über 400 Unternehmen aus dem Reich der Mitte haben sich in den vergangenen 30 Jahren dort angesiedelt. Mehr als drei Viertel davon sind im Handel tätig.

Aber es scheint, das Blatt wendet sich. In der Rheinmetropole residieren schon über 280 Unternehmen aus China, allein 2009 kamen 23 hinzu. Und dass jetzt ein milliardenschwerer Konzern seine Niederlassung nach Düsseldorf verlegt, spricht für die Stadt. Dies gilt umso mehr, da die von Midea genannten Gründe auch für Hamburg gelten könnten: zentrale Lage in Europa, großes Kundenpotenzial der Region und die räumliche Nähe zu anderen Unternehmen aus China.

Doch bei genauerem Hinsehen kann Düsseldorf die ersten zwei Punkte klar für sich entscheiden. Die großen europäischen Metropolen liegen nur eine Flugstunde entfernt, die Rhein-Ruhr-Region, der stärkste Wirtschaftsraum Deutschlands, bietet mit 11,5 Millionen Menschen und 400 000 Unternehmen eine enorme Kaufkraft, und in einem Radius von 500 Kilometern leben 36 Prozent der EU-Bevölkerung. Hinsichtlich der Nähe zu anderen chinesischen Unternehmen scheint sich Midea an der Zukunft zu orientieren, denn die Entscheidung für Düsseldorf ist kein Einzelfall. Vor allem die Branchenvielfalt ist am Rhein größer.

Gerade hat die Industrial and Commercial Bank of China, ICBC, eines der größten Bankhäuser der Welt, ihre Filiale an der Düsseldorfer Kö eröffnet. Das chinesische IT-Unternehmen Evoc Intelligent Technology, einer der weltweit führenden Hersteller auf dem Gebiet der Embedded Intelligent Platforms (EIP), hat bereits seit 2009 eine Zweigniederlassung in Düsseldorf und plant Investitionen von fünf Mio. Euro. Auch Evoc nannte die Nähe zu anderen Firmen, speziell zu den Telekommunikationsriesen Huawei und ZTE, als Grund für die Standortentscheidung. Huawei hat seinen Europahauptsitz in Düsseldorf und 2008 insgesamt 17 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet. Auch ZTE, mit einem Umsatz von 4,7 Mrd. Euro, hat seine Deutschlandzentrale am Rhein.

Zhiang Zhang, Vice President der ZTE Corporation Europa und Nordamerika, erklärt die Attraktivität der Stadt für die Firmen so: "Düsseldorf ist sehr aktiv im Bereich China - Stichwort China Kompetenzzentrum, Aktivitäten von NRW Invest, China-Desk der IHK - und hat eine Infrastruktur an Restaurants und Geschäften, die auf Asiaten und Chinesen zugeschnitten ist."

Diese Attraktivität ist Frucht einer langfristig angelegten strategischen Stadtpolitik. Bereits in den 70er-Jahren hat sich das städtische Amt für Wirtschaftsförderung international ausgerichtet; Schwerpunkt war damals, neben der seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Freundschaft zu den USA, Japan. Mittlerweile hat das Amt für die USA, für Japan, Russland, China und für Indien zentrale Anlaufstellen geschaffen. Das Amt unterstützt ausländische Unternehmen bei Fragen rechtlicher und unternehmerischer Art, bezüglich des Standorts, der Administration, der Kontakte und der Netzwerkbildung.

Mit Erfolg. 5 000 ausländische Unternehmen residieren in Düsseldorf, 450 davon aus Japan. Hiroshi Miyake, Präsident von Mitsubishi International, lobt: "Düsseldorf ist mit Japan bestens vertraut." Die Unternehmen erwirtschaften jährlich rund 35 Mrd. Euro. Das Besondere der Stadtpolitik ist aber die ganzheitliche Integration. Kindergarten, Schulen, Sportklubs, Medien, Gärten und Tempel - Düsseldorf will Heimat in der Fremde sein.

Was Düsseldorf für japanische Unternehmen und die 7 000 Japaner in der Stadt bereits ist, "Dyusseru" - Japans Hauptstadt in Europa, will es für China und Indien noch werden. Deutschland ist Indiens größter Handelspartner in Europa. Im innerdeutschen Standortwettbewerb befindet sich Düsseldorf mit 44 indischen Unternehmen, hauptsächlich aus den Branchen Textil, Stahl, Anlagenbau und IT, momentan an vierter Stelle. Neben der besonderen Förderung durch das India Desk der IHK und das Amt für Wirtschaftsförderung sitzt auch die Deutsch Handelskammer-Indische in Düsseldorf.

Zwar hat auch Hamburg eine Messe, doch wird die größere Messe Düsseldorf als Standortvorteil gewertet; sie ist Generalunternehmer für die Expo. Damit hat Düsseldorf einen Partner, der über ebensoviel China-Kompetenz verfügt wie sie. An sechs Standorten ist die Messe in China vertreten und hat das Shanghai New International Expo Center (SNIEC) mit bis zu 80 Ausstellungen pro Jahr zu einer der größten Messen der Welt mitentwickelt.

Von Mai bis Oktober findet in Schanghai die Weltausstellung statt. Hamburg will als Partnerstadt im Kampf um den chinesischen Drachen noch einmal auftrumpfen: Für 4,2 Mio. Euro bauen Stadt und Expo gemeinsam das Hamburg House, Chinas erstes zertifiziertes Passivhaus, das nach der Weltausstellung in den Besitz der Stadt Schanghai übergehen wird. Insgesamt lässt sich Hamburg die Expo sechs Mio. Euro kosten. Da ist Düsseldorf bescheidener. Auf rund 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird die Stadt die Rheinuferpromenade und den Medienhafen nachbilden. 2,5 Mio. Euro soll das Projekt kosten, komplett eigenfinanziert, denn die Stadt ist seit einigen Jahren schuldenfrei.

 

SeitenURL :
Qr Code