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Im Wichern-Haus können die Bewohner mit einem Bier auf den Feierabend anstoßen.

Ein Schlager dudelt leise im Hintergrund, irgendwas von Rod Stewart, „Sweet Surrender“ womöglich. An der Wand hängt ein Mannschaftsfoto der Fortuna aus dem Jahr 1979, als das Team Pokalsieger wurde, auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes ein Werbeschild mit HB-Männchen Bruno, das schon seit Mitte der 80er Jahre auf keinem Plakat mehr inWichern-Haus, Düsseldorf die Luft geht.

Wolfgang Erler, 71 Jahre alt, lehnt wie ein junger Spund an der Theke, das Gewicht auf ein Bein verlagert. „Ein Bier, bitte“, sagt er und grinst. Natürlich darf’s für ihn nur ein Alt sein, immerhin lebt Erler bereits seit rund 50 Jahren in Düsseldorf. Kein Problem, Elvira Wolff vom Sozialen Dienst des Wichern-Hauses in Flingern gießt ihm das gewünschte Bier in sein Glas.

Erler ist einer der Bewohner des Hauses, die kleine Kneipe mit stilechter Theke befindet sich in der ersten Etage des Pflegeheims. Wolff bietet dort zum Beispiel Musikabende an. Dann können die Bewohner die Jukebox anschmeißen, Karten spielen oder einfach nur ein wenig plaudern.

„Die kleine Kneipe ist für Menschen gedacht, die im Alltag nicht mehr einfach vor die Türe gehen können“, sagt Wolff, die das Konzept entwickelt hat. Viele der Senioren hätten nach einem Besuch der Kneipe das Gefühl, endlich mal wieder draußen gewesen zu sein und richtig was erlebt zu haben. Eine demente Bewohnerin, die sich sonst an nichts erinnern kann, habe sie sogar einmal auf dem Flur auf die Gaststätte angesprochen.

Die Männer haben’s nicht so mit Basteln oder singen

Wolff hofft, mit der Kneipe auch den Männern einen Zufluchtsraum geschaffen zu haben. „Männer tun sich schwer, an den Angeboten des Sozialen Dienstes teilzunehmen“, sagt sie. Basteln ist die Sache der alten Herren zum Beispiel nicht – auch wegen des Frauenüberschusses im Pflegeheim, schätzt Wolff.

Ganz anders die Kneipe: „ Hier herrscht lockere Feierabendstimmung. Die Männer sitzen am Flipper oder spielen Karten und freuen sich dabeizusein“, sagt Wolff. Die ein oder zwei Gläser Bier, die die Senioren am Abend trinken, kosten diese nichts. Der Preis ist inbegriffen, wenn sie das Angebot des Sozialen Dienstes buchen. Darauf, dass es nicht zu viele Gläser werden, achtet Wolff sehr genau.

Alkohol gibt sie nur an Bewohner aus, bei denen das gesundheitlich unbedenklich ist. Und die harten Alkoholika stehen sowieso nur der Atmosphäre wegen im Barschrank. Ab und an darf dafür in der kleinen Kneipe ganz real wie in alten Zeiten gepafft werden. „Normalerweise ist das hier der Raucherraum“, sagt Wolff. „Das macht also keine Probleme.“

Ein bisschen gibt der Qualm – das müssen auch Nichtraucher zugeben – der Kneipe tatsächlich den letzten Schliff.„Schön gemütlich ist es hier“, sagt denn auch Bewohnerin Sigrid Bass. Das findet auch Wolfgang Erler, der allerdings noch einen klitzekleinen Wunsch hat: Zwei Skatspieler zu finden, die ab und an mal im Wichern-Haus vorbeischauen, um mit ihm Gesellschaft zu leisten. „Da arbeiten wir gerade dran“, sagt Wolff.

 

 

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