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Darmkrebs ist ein stiller, schmerzloser Krebs.

2006 brachte die TV-Journalistin Bärbel Schäfer zusammen mit Monika Stuck das Buch "Ich wollte mein Leben zurück - Menschen erzählen von ihren Erfahrungen mit Krebs" heraus. In offenen und bewegenden Worten schilderte Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin sein Leben mit der furchtbaren Krankheit. So wollte er anderen Krebspatienten Mut machen.

Joachim Erwin war seit 1999 Oberbürgermeister von Düsseldorf. Dass er seine 18-Stunden-Arbeitstage trotz einer Darmkrebserkrankung bewältigt, machte er selbst 2003 öffentlich. Das Buch liefert ein sehr persönliches und bewegendes Dokument der Erkrankung. Ohne etwas zu beschönigen, schildert der 56-Jährige die Folgen der Krankheit für sich selbst, aber auch für seine Familie (Ehefrau Hille, 50, Tochter Angela, 26, und Sohn Markus, 23).

Erwin erinnerte sich dort etwa an den Moment, als die Krankheit offenbar wurde: "Im Mai 2003 nahm ich am Düsseldorfer Marathon teil. Kurz zuvor hatte ich hin und wieder undefinierbare Schmerzen, es fühlte sich an wie elektrische Spannungen im Bauch... Ich ließ eine Magenspiegelung machen - es war alles in Ordnung. Bei der Computertomographie jedoch wurde etwas festgestellt, es sollte operiert werden, um das genau abzuklären... Vom Beginn der Schmerzen bis zum Eingriff waren nur siebzehn Tage vergangen. Als ich auf der Intensivstation aufwachte, erfuhr ich die Diagnose: Darmkrebs."

Erwin weiter: "Bis dahin war ich immer der Überzeugung gewesen, wer nicht zum Arzt geht, wird auch nicht krank. Das war falsch, wie ich heute weiß... Darmkrebs ist ein stiller, schmerzloser Krebs... Die Chemotherapie machte ich in einer Essener Tumorklinik, erst alle drei Wochen, dann im Zyklus von vier Wochen. Ich arbeitete normal weiter... Während des Wahlkampfes im August/September 2004 bemerkte ich dann erneut Bauchschmerzen. Am Morgen nach der gewonnenen Wahl und der Feier im Ratskeller wurde ich noch einmal operiert. Im Januar 2005 fand der letzte Eingriff statt."

Seither, so der CDU-Politiker, mache er "einmal pro Woche eine leichtere Chemotherapie. Davon habe ich etwas weniger Haare, aber immer noch genug. Glücklicherweise brauche ich keinen künstlichen Darmausgang."

Erwins eiserner Wille, die Krankheit wenn nicht zu besiegen, dann doch in den Griff zu bekommen, ist aus seiner Schilderung deutlich herauszulesen: "Nach der Diagnose 2003 hieß es, meine Lebenserwartung betrüge ein bis zwei Jahre. Dieser Prognose habe ich ein Schnippchen geschlagen. Ich fürchte den Tod nicht, ich habe einen großen Drang zu leben."

Hilfe und Trost findet der evangelisch-lutherische Politiker in der Zwiesprache mit Gott: "Als gläubiger Christ dachte ich manchmal an das alte Sprichwort, in dem es heißt 'Media vita in morte sumus - Inmitten des Lebens sind wir vom Tod umfangen.' Wir wissen alle, dass wir endlich sind und irgendwann sterben werden. Dennoch habe ich nie mit meiner Familie über einen möglichen Tod gesprochen. Ich habe kein Testament gemacht... Ich vertraue der Medizin, der ärztlichen Heilkunst."

Erwin: "Jedes weitere Lebensjahr betrachte ich als Geschenk. Ich genieße es mehr denn je, den Frühling zu riechen, einen lauen Herbstabend intensiv wahrzunehmen. Anders als früher gehe ich jetzt auch mal eher nach Hause. Von der Karnevalssession habe ich mich noch vor zwölf Uhr verabschiedet, ich wollte nicht mehr bis tief in die Nacht an der Bar stehen. Es kommt vor, dass ich Beschwerden überspielen muss, da mache ich mir nichts vor. Anderthalb Stunden zu stehen ist eine große Belastung für mich."

Trotz seiner schweren Erkrankung fand er für allen anderen Krebspatienten aufmunternde Worte: "Das Leben endet nicht mit der Diagnose. Man muss das Beste daraus machen, das Leben anpacken und nach vorn schauen." Im Alter von 58 Jahren ist Joachim Erwin gestorben.

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