Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Die Last der Nachfolge

Es wird schwer, die Lücke zu füllen, die Joachim Erwin als Oberhaupt der Stadt hinterlässt. Sowohl SPD als auch CDU haben ein Problem: Die politischen Schwergewichte in den Parteien sind auf verantwortungsvollen Posten in Brüssel oder Berlin. In Düsseldorf fehlen Köpfe, die auch unumstritten sind.

 

Joachim Erwin hat als Oberbürgermeister hohe Maßstäbe gesetzt, eine erfolgreiche Bilanz und Stadt hinterlassen. Das macht es schwer, Nachfolger ins Rennen zu schicken.

In Erwins Partei, der CDU, deutet vieles auf Dirk Elbers hin. Der Vorsitzende der Ratsfraktion hat erst in jüngster Zeit den Kuschelkurs zu Erwin verlassen und sich deutlich positioniert (in den Augen mancher zu deutlich). Als Bürgermeister, der stets viel und gerne repräsentiert, ist er stadtweit bekannt. Jedoch ist er nicht bei allen hochrangigen Parteifreunden anerkannt.

Elbers ist ein Mann des linken Flügels der Union, der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), die traditionell dem Mittelstandsflügel gegenübersteht. Auch wenn er als Verwaltungschef des Grafen von Spee nicht der klassische Vertreter der CDA ist, werden ihm deren Mitglieder im Kreisverband den Rücken stärken. Wird Elbers OB, hat sich Ratsherr Andreas Hartnigk schon mal als CDU-Fraktionschef in Position gebracht.

Weniger Rückhalt hat Elbers in den Mittelstandsreihen, wo man den knapp zwei Meter großen Hünen Elbers hinter vorgehaltener Hand gerne „lang und lieb“ nennt. Was heißen soll: Die Schuhe des OB seien für ihn ein paar Nummern zu groß. Man wirft Elbers vor, dass er bei wichtigen Diskussionen die Rolle des Hilflosen, manchmal - siehe Arena-Aufsichtsrat oder Heine-Jury - auch die des Desinteressierten eingenommen habe. Einige bemerken zudem mit Interesse, dass sich auch Peter Preuß, Landtagsabgeordneter, Düsseldorfer Partei-Vize und CDA-Vorsitzender, im Süden der Stadt deutlich positioniert. Ambitionen auf den OB-Posten wären pikant: Preuß ist mit Elbers befreundet.

Nicht nur die CDU-Mittelständler hoffen, dass ein politisches Schwergewicht seinen Hut in den Ring wirft: Klaus-Heiner Lehne, Düsseldorfer CDU-Chef sowie Europa-Parlamentarier mit exzellenten Kontakten auf internationaler Ebene und mit einem guten Draht ins Kanzleramt. Lehne, so ist zu hören, würde die Landeshauptstadt eher in präsidialem Stil führen. Der 50-Jährige liebt aber auch seinen Posten in Brüssel. Zwar leben seine Frau und seine beiden kleinen Kinder in Düsseldorf, aber die Familie, so heißt es, möchte nicht, dass Lehne OB wird. Ähnlich ist es bei Hildegard Müller, als Staatsministerin im Kanzleramt eine der stärksten Frauen in Berlin: Mancher sähe sie gerne als Kandidatin fürs OB-Amt, ihre Ambitionen werden aber eher in der Bundeshauptstadt gesehen.

Falls das so bleibt, könnte es schon schwierig werden für die CDU. Einen Joker hätte sie allerdings in ihren Reihen: Wolfgang Schulhoff, Handwerkskammer-Präsident, fast 20 Jahre lang Bundestagsabgeordneter, Ehrenvorsitzender des Kreisverbands und vor allem nach wie vor ein Mann mit Gewicht und Macht in der Düsseldorfer CDU. Ein Sieg wäre dem Mann mit dem Herz für Kultur und der Fähigkeit zur mitreißenden Rede wohl sicher. Bleibt die Frage, ob Schulhoff sich das Amt vorstellen könnte.

Bei der SPD könnte der Kampf um die Macht im Rathaus erneut zum internen Machtkampf werden. Alles hängt von der Frage ab, wie hoch die Genossen ihre Siegeschancen einschätzen. Sind sie niedrig, würden sie einen relativ aussichtslosen Kandidaten ins Rennen schicken, bei dem es nicht schaden würde, wenn er „verbrennt“, ist zu hören. Der könnte zum Beispiel Günter Wurm heißen. Es ist kein Geheimnis, dass der Fraktionschef den Posten des Bürgermeisters im Zweifel dem des OB vorziehen würde. Eine Belohnung für die kalkulierte Niederlage?

Geht es um einen realistischen Sieg, richten sich alle Augen auf die im März 2007 neu gewählte Parteichefin Karin Kortmann. Die zweifache Mutter hat einiges in die Waagschale zu werfen: Bundestagsabgeordnete, Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium und engagierte Katholikin. Letzteres bereitet der CDU am meisten Sorgen - denn damit könnte Kortmann den Christdemokraten manchen Wähler abluchsen. Kortmann hat nur ein Problem: Weil sie die vergangenen Jahre politisch vor allem auf der Berliner Bühne tanzte, ist sie - ähnlich wie Lehne - in Düsseldorf zu wenig bekannt. Eine frühe Neuwahl hat für sie jedoch einen Vorteil: Im Fall des Scheiterns behielte sie ihr Bundestagsmandat und fiele nicht ins politische Nichts.

Immer wieder genannt wird auch Jürgen Büssow. Der Regierungspräsident ist nicht nur ein Machtmensch mit dem nötigen politischen Gewicht und Verwaltungserfahrung, er stand auch schon vier Jahre lang an der Spitze der Düsseldorfer SPD und ist bei den Bürgern bekannt. Ob er beliebt genug ist - auch in eigenen Reihen -, ist eine andere Frage. Kein Thema ist dank der neuen Gemeindeordnung sein Alter: Zwar ist Büssow bereits 61, weil aber im neuen Gesetzeswerk auch die Altersgrenze für Oberbürgermeister wegfällt, wäre eine Amtszeit bis 2014 kein Problem.

Büssow könnte aber auch eine alte Seilschaft aufleben lassen und am Parteitag am 31. Mai den Platz frei machen für Gudrun Hock, mit der der Regierungspräsident auch privat befreundet ist. Sie war 2004 gegen Erwin angetreten und unterlegen, nach ihrer Niederlage bei der Fraktionswahl im Februar 2007 war auch die Spitzenkandidatur vom Tisch - vorerst. Nach wie vor hält sich die 49-Jährige für eine potenzielle Siegerin und wird darin bestärkt von den Anti-Kortmann-Kräften in der SPD. Allen voran der frühere Fraktionschef Hans-Otto Christiansen, der sogar schon eine eigene Wählerinitiative ins Gespräch gebracht hatte. Das jedoch hätte nur eins zur Folge: die endgültige Spaltung der SPD.

SeitenURL :
Qr Code