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Vor dem Tod hatte Erwin keine Angst

Am Ende wog er nur noch 47 Kilo, der Krebs hatte ihn schwer gezeichnet. Joachim Erwin, der Vollblut-Politiker, den alle nur als dynamischen Oberbürgermeister kannten, musste schon seit einiger Zeit kürzer treten. Für Joachim Erwin das Schlimmste, denn das Amt war sein Leben. Trotz Krankheit, oder vielleicht auch wegen seiner Krankheit. Denn immer wieder hatte er betont, wie wichtig ihm die Arbeit sei. Er brauchte sie im Kampf gegen den Krebs.

1999 begann sein politischer Werdegang als Oberbürgermeister von Düsseldorf. Ein legendärer Wahltag, der sich wiederholen sollte. Auch die Kommunalwahl 2004 gewann er deutlich, obwohl da schon bekannt war, dass er an Krebs litt. Erwin ging offen mit der Krankheit um, die im Juni 2003 diagnostiziert wurde. Er nutzte seine Bekanntheit, um für Vorsorge zu werben. Und arbeitete unermüdlich weiter. Selbst aus dem Bett des Krankenhauses diktierte er über das Telefon Briefe oder machte die Post. Viele wunderten sich darüber, dass er sich nicht schonte. Doch Erwin wollte nicht, dass der Krebs ihn daran hinderte, seinen Tag zu gliedern, wie er es gewöhnt war. "Ich fürchte den Tod nicht, aber ich habe einen großen Drang zu leben", schrieb er 2006 in einem Buchbeitrag.

Auf seinen Reisen durch die Welt trommelte er für Düsseldorf, flog tausende Kilometer, auch wenn sein Körper eigentlich zu schwach dafür war. Erwin hatte eine schier unerschöpfliche Energie: Aufsichtsräte, Vorstände, Ausschüsse - er war überall dabei. Das Amt war sein Leben. Und sein Leben das Amt. Alle, die dachten, nun beginne sein politischer Niedergang, irrten. Erwin schonte sich nicht, behandelte die Krankheit wie eines der vielen Probleme, die er täglich lösen musste. Er nahm die Krankheit an, sprach über sie, ließ sich aber nie in die Ecke des kranken Oberbürgermeisters drängen. Er nahm auch kurz nach Operationen oder trotz Chemotherapien offizielle Termine wahr. Mehrfach wirkte er schwer gezeichnet. Als er im Juni 2007 den Paul-Spiegel-Platz vor der jüdischen Synagoge einweihte, waren viele Besucher erschrocken. Erwin – abgemagert durch eine Blutvergiftung – erschien wackelig und schwach.

Die Krankheit hatte zwar Einfluss auf sein Leben, doch er ließ nicht zu, dass sie sein Leben bestimmt. Viele trauten Erwin zu, den Kampf gegen den Krebs noch lange kämpfen zu können. Er selbst glaubte das auch. Hatte er doch noch vor wenigen Wochen über die Kommunalwahl 2009 gesprochen, in dem er als Spitzenkandidat der CDU die Wahl gewinnen wollte. Und das, obwohl der Krebs ihn mehr und mehr zeichnete.

Mitte Mai fliegt er nach China zur Deutschlandwoche. Als er zurück kommt, leidet er an einem Infekt, lässt sich im Krankenhaus behandeln. Viele sind beunruhigt, als er die Ratssitzung am vergangenen Donnerstag nicht leitet. Ungewöhnlich für einen Mann, für den das Amt alles war. Auch bei der Eröffnung des Breidenbacher Hofes am Montagmittag erscheint Erwin nicht.

Am Ende verbrachte er die letzten Stunden seines Lebens im Augusta-Krankenhaus. Seine Familie war bei ihm, als er in der Nacht zum 20. Mai starb. Er hinterlässt Ehefrau Hille und zwei erwachsene Kinder. Die Fahnen am Rathaus stehen auf Halbmast. Er hat den Kampf gegen den Krebs verloren.

 

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