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Die legendäre Musikgruppe Kraftwerk ist seit Freitag in Düsseldorf als Gesamtkunstwerk zu besichtigen.

Zeitgleich zur 3-D-Aufführung des musikalischen Werks der Klang-Pioniere an acht Abenden in der Kunstsammlung NRW zeigt das NRW-Forum wenige hundert Meter entfernt die formalistisch strengen Bilder des Kraftwerk-Fotografen Peter Boettcher, der in der Tradition der berühmten Düsseldorfer Fotokünstler Bernd und Hilla Becher steht.

Kraftwerk in Paris, Detroit, Turin, New York und in ihrem Kling-Klang-Studio in Düsseldorf: Die Entpersonifizierung und Symbiose von Mensch und Maschine, seit jeher das große Thema der Gruppe, wird in den Bildern und vermeintlichen Porträts der Musiker auf die Spitze getrieben. «Das sind alles Roboter», verrät Boettcher über seine Motive. Er trägt seit über 20 Jahren den fotografischen Teil zum Gesamtkunstwerk bei.

Das hat System, schickte Kraftwerk-Mastermind Ralf Hütter sogar schon einen programmierten Roboter als Alter Ego zum Interview. Seit Jahrzehnten entzieht sich die Musikgruppe sämtlichen Konventionen der Popmusik, ist hinter ihren Robotern quasi unsichtbar. Kein Starkult - und wenn doch, dann ist die Maschine der Star. Auch Konzertbesucher wissen hinterher nicht so recht, wem sie da eigentlich applaudiert haben - Menschen oder einer Reihe von Androiden?

Schwitzende Fans oder Musiker in den klassischen Posen sind auf den Kraftwerk-Bildern natürlich tabu. Stattdessen wird der musikalische Minimalismus auch visuell zelebriert, die unterkühlte Vision der Zukunft als Maschinenpark in Stahl und Glas. Die Gruppe habe seine formale Sachlichkeit geschätzt, berichtet Boettcher.

Nur auf einem Bild, als die Gruppe 2002 in Paris auf die Bühne tritt, könnten die Musiker selbst abgebildet sein. Aber die vier schemenhaften Gestalten sind als unscharf und scherenschnittartig abgebildet. Auch Boettcher bleibt nebulös, während er auf das Bild deutet: «Das ist der Bruchteil einer Sekunde, in der sich Mensch und Maschine zusammenfinden.

Acht Alben, acht Abende, jeweils mit einer eigenen 3-D-Projektion. Kraftwerk ist spätestens mit dem Auftritt bei der Biennale in Venedig 2005 in der musealen Kunstwelt angekommen. Der Konzertreigen wurde im MoMa in New York uraufgeführt und wird nach Düsseldorf in London in der Tate Modern intoniert.

Mit den vier nahezu regungslosen Gestalten vor vier Keyboards schrieb deutsche Popmusik erstmals weltweit Musikgeschichte. Die Düsseldorfer Avantgarde-Klangingenieure gelten inzwischen als Begründer der elektronischen Musik. Ihr minimalistischer Synthesizer-Sound war bahnbrechend und wegbereitend für Musikstile wie Elektro, Synthie-Pop und Techno.

1970 gegründet, entstammt die Formation, von dessen Ursprungs-Besetzung nur Hütter übrig geblieben ist, der Düsseldorfer Kunstszene, die damals Weltrang hatte. Die Musiker nahmen mit ihren Synthesizern der ersten Generation die Digitalisierung der Musik um Jahre vorweg. Das Klangkunst-Spektakel startet mit dem Album «Autobahn» von 1974 und endet mit «Tour de France» (2003).

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