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Brennende Autos, Tränengasschwaden über Straßen und Plätzen, mindestens 120 Verletzte - das ist die Bilanz der Ausschreitungen in Rom. Seit Jahrzehnten gab es nichts Vergleichbares mehr in der Ewigen Stadt. Mitauslöser der Eskalation war Ministerpräsident Berlusconis Sieg im Parlament.

Es handelte sich um die schlimmsten Ausschreitungen in Rom seit 30 Jahren - und sie hatten mit dem Ergebnis des Misstrauensvotums zu tun: Als bekannt wurde, dass Berlusconi die Abstimmung gewonnen hatte, eskalierten mehrere bis dahin friedliche Großkundgebungen. Über Stunden randalierten mehrere hundert Autonome im Zentrum der italienischen Hauptstadt, zündeten in den bekannten Einkaufsstraßen Via del Corso in derBerlusconi Nähe des Parlaments und Via Cola di Rienzo Autos an, beschädigten Läden, errichteten Barrikaden und lieferten sich wahre Straßenschlachten mit der Polizei.

Prügelszenen live im Fernsehen

Augenzeugen zeigten sich entsetzt, so wie dieser Ladenbesitzer:"Natürlich muss es solche Veranstaltungen geben - aber bitte in einer bestimmten Art und Weise. Man kann nicht einfach eine Stadt anzünden. Einen halben Meter vor meinem Geschäft haben zwei Autos lichterloh gebrannt.“ Dichte Rauchwolken über dem Zentrum, Explosionen von Sprengsätzen und Tränengasgranaten - die Polizei ging mit aller Härte gegen die Randalierer vor, verprügelte einige auch nach ihrer Festnahme; die Bilder wurden live im Fernsehen gezeigt.

"Grundlose und vorgeschobene Aggression"

Die meisten Läden mussten spontan schließen, mitten im Vorweihnachtstrubel, erschreckte Touristen flüchteten. Es gab etwa 40 Festnahmen, mindestens 120 Verletzte, darunter Kameraleute und knapp 60 Polizisten. 22 Verletzte mussten in der Klinik behandelt werden. Roms Bürgermeister Gianni Alemanno spricht von "grundloser und vorgeschobener Aggression, das ist wirklich schändlich. Dafür gibt es keinerlei soziale oder politische Rechtfertigung."

Abstimmung gekauft?

Mitauslöser der Randale war der Verlauf der Abstimmung im Parlament: Zehn Abgeordnete hatten unerwartet für Ministerpräsident Berlusconi gestimmt und so dessen Sturz verhindert. Für Massimo Donadi von der Wertepartei IdV steht fest: "Wenn es diese zehn Verräter nicht gegeben hätte - oder den, der sie sich gekauft hat - sähe das Ergebnis jetzt anders aus.“

Die Opposition behauptet, Berlusconi habe Abgeordnete bestochen: mit Geld, angeblich bis zu einer halben Million Euro pro Stimme, oder mit Versprechungen politischer Posten. Denn klar war, dass Berlusconi nach dem Ausscheiden seines Bündnispartners Franco Fini mindestens sieben Stimmen fehlten.

Der Uneinsichtige

Italiens Regierungschef kommentierte den Ausgang der Abstimmung gestern so: "In der letzten Minute gab es einige Personen aus der Fini-Gruppe, die unter psychologischen Druck gesetzt wurden. Deshalb haben einige weniger gegen uns gestimmt, als wir gedacht haben." Berlusconi meint natürlich Druck aus dem Lager seiner Gegner. Keine Rede von Beeinflussung seinerseits, auch wenn die Opposition das ganz anders sieht.

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