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Mysteriöser Fund, mysteriöse Umstände – 271 Werke des großen Künstlers Pablo Picasso sind plötzlich aufgetaucht. Ein französisches Rentnerehepaar hat sie jahrzehntelang unter Verschluss gehalten.

Claude Picasso hielt die Post, die er im Januar dieses Jahres von einem ihm unbekannten Rentner mit dem Namen Pierre Le Guennec erhielt, für einen Scherz. Dem Brief waren 26 Fotografien von Werken seines Vaters Pablo Picasso beigefügt. In dem Anschreiben bat der Absender den Sohn des berühmten Malers, der der Verwaltung des Erbes vorsteht, die Echtheit der abgebildeten Werke zu bestätigen. Claude Picasso reagiertePicasso zunächst nicht. Aber der Absender ließ nicht locker. Im März und im April folgten weitere Briefe mit Fotos von Werken Picassos und derselben Bitte, die Authentizität zu beglaubigen. Im September kam es dann zu einem Treffen in Paris. Mit Koffern, vollgestopft mit Werken Picassos, fand sich der 71-jährige Monsieur Le Guennec mit seiner Frau bei der „Picasso Administration“ in Paris ein und Claude Picasso kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Nicht weniger als 175 unbekannte Bilder und Collagen hatte der Besucher mitgebracht, dazu zwei Skizzenhefte mit Zeichnungen, insgesamt 271 Werke. „Es war natürlich eine große Überraschung“, sagte Claude Picasso der Zeitung „Libération“, die über das mysteriöse Auftauchen der 271 Picassos mit einem kaum schätzbaren Wert berichtete. Aber ebenso groß waren auch seine Zweifel. „Viele der Werke waren nicht datiert“, erläuterte er in dem Interview, „das heißt, dass sie das Atelier nie hätten verlassen dürfen.“ Sein Vater habe seine Werke systematisch datiert. Er habe so seine Arbeit, die er für das „Abenteuer des Jahrhunderts“ hielt, dokumentieren wollen. „Alles hat er aufgehoben, selbst Metro-Tickets oder Eintrittskarten fürs Theater oder zur Corrida.“ An der Echtheit der bisher unbekannten Werke hatte Claude Picasso wohl keinen Zweifel. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1900 und 1932. Unter ihnen befinden sich neun als „absolute Rarität“ angesehene kubistische Collagen, die allein auf 40 Millionen Euro geschätzt werden, ein Aquarell aus der Blauen Periode, Gouachen auf Papier, etwa 30 Litografien und 200 Zeichnungen, ein Porträt seiner ersten Frau Olga, Studien zu den „Drei Grazien“ und Landschaften.

Wie der Sohn des Malers fragten sich auch die Experten, die er zu der Besichtigung dieser Kollektion hinzugezogen hatte, sofort, ob es sich um Fälschungen handeln könnte. Doch sie waren sich bald einig, dass kein Fälscher die verschiedenen Techniken Picassos mit solcher Vollendung hätte beherrschen können wie der Meister selbst. Die Nummerierung einiger Blätter, die Picasso 1935 von seinem Kunsthändler Paul Rosenberg inventarisieren ließ, räumte letzte Zweifel aus. „Kein Fälscher hätte die Nummern kennen können.“

Wie aber kam Monsieur Le Guennec in den Besitz der Werke? Nach seiner Aussage hatte er in den letzten drei Jahren vor Picassos Tod 1973 als Elektriker für den Meister gearbeitet und unter anderem in dessen Villen und Ateliers in Vauvenargues und Mougins an der Côte d’Azur Alarmanlagen eingebaut. Die Kunstwerke habe er von Picasso und seiner Frau Jacqueline als Dank erhalten.

Die Erben Picassos schenkten dieser Geschichte keinen Glauben. Sein Vater habe wohl großzügig Bilder verschenkt, sagte Claude Picasso der „Libération“, aber eine so große Zahl, das sei nicht glaubhaft. „Und wenn er etwas verschenkte, dann hat er es signiert und dem Empfänger gewidmet.“ Auch Jacqueline wäre es nie eingefallen, eine solche Menge zu verschenken. Der Verdacht des Diebstahls drängte sich also auf. Da Diebstahl aber nach so langer Zeit verjährt wäre, erstattete er Anzeige wegen Hehlerei, die nicht verjährt, solange der Verdächtige das gestohlene Gut bewusst in seinem Besitz hat. Monsieur Le Guennec wurde vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen und die Kunstwerke befinden sich im Gewahrsam der Polizei. „Jetzt kommt es darauf an, die Werke für die Kunstgeschichte zu sichern“, erklärte der Anwalt der Familie Picasso.

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