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Feierstimmung an der Wall Street: Eineinhalb Jahre nach der Blitzinsolvenz ist der Autobauer General Motors - einst ganzer Stolz der Amerikaner - mit einem Paukenschlag an die Börse zurückgekehrt. Nachdem Anleger dem Konzern die neuen Aktien bereits bei der Emission aus den Händen gerissen hatten, griffen auch die Investoren auf dem New Yorker Parkett zum Handelsstart gierig zu.

Als GM-Chef Daniel Akerson am Donnerstag den Gong zur Handelseröffnung der New Yorker Börse läutete, war das wohl spektakulärste Börsen-Comeback aller Zeiten perfekt. Nicht einmal eineinhalb Jahre nach seinem Schnellkonkurs feierte der Autobauer General Motors einen eindrucksvollen Neustart. Die Aktien des Unternehmens kosteten zum Start 35 Dollar und kletterten schnell weiter auf 35,99 Dollar, ehe einige Anleger erste Gewinne mitnahmen. Das beflügelte auch die Stimmung der Wall Street insgesamt: Der Dow-Jones-Index sprang um 1,6 Prozent an auf 11 183 Punkte.

"Wir sind zufrieden mit dem Auftakt“, sagte Konzernchef Daniel Akerson. Nach den Ereignissen der Vortage kam der Blitzstart aber nicht überraschend. Wegen der immensen Nachfrage vor allem nordamerikanischer Investoren nach den Aktien hatte General Motors
das Volumen der Emission und auch den Ausgabepreis in den vergangenen Tagen noch einmal angehoben. Mit 33 Dollar wurden die Papiere am oberen Ende der Preisspanne verkauft. Auf dem Graumarkt waren die GM-Aktien bereits vor der Handelseröffnung sogar mit 37 bis 37,50 Euro gehandelt worden.

Im Falle einer erfolgreichen Platzierung der so genannten Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) hat der Börsengang von General Motors ein Gesamtvolumen von mehr als 23 Mrd. Dollar. Zweifel daran hat nach dem extrem guten Verlauf der Zeichnungsphase niemand. Damit wäre das IPO weltweit das größte aller Zeiten. Bisher hält diesen Titel die Agricultural Bank of China, die im Sommer dieses Jahres rund 22,1 Mrd. Dollar erlöste.

An der Wall Street herrschte schon die ganze Woche GM-Fieber. Selten hat ein Börsengang die Finanzwelt so begeistert. Die autoverrückten Banker hatten seit Tagen nur dieses eine Gesprächsthema - wohl auch, weil fast alle namhaften Adressen der Wall Street mit an Bord sind und helfen, den größten Autokonzern der USA zurück an die Börse zu bringen - auch die Deutsche Bank, die eine starke Präsenz am Finanzplatz New York hat. 

Als am Mittwoch feststand, dass der GM-Börsengang der größte aller Zeiten werden dürfte, brach Jubel in den Handelssälen aus. Die Banker bei Morgan Stanley und JPMorgan begrüßten das vorbeischauende GM-Management mit Standing Ovations. Einige hätten sogar auf die strenge Kleiderordnung gepfiffen und über ihren Hemden und Krawatten blaue T-Shirts mit GM-Schriftzug getragen, berichtete das "Wall Street Journal".

Spätestens am Donnerstag war dann auch dem nicht-börsenaffinen Publikum klar, dass an der Wall Street etwas Großes ansteht. Bereits ab dem Morgen parkten die Prachtstücke des GM-Konzerns vor der New Yorker Börse. Das Elektroauto Chevrolet Volt war ebenso dabei wie das Cadillac CTS-V Coupé oder der massige Pick-up-Truck GMC Sierra.

Neben dem Konzern selbst, den Wall-Street-Banken und den Anlegern, die gleich zur Eröffnung hohe Zeichnungsgewinne erzielten, kann sich vor allem der US-Staat über den erfolgreichen Börsengang des mit 50 Mrd. Dollar Staatsgeld gepäppelten Autobauers freuen. Bis zu 15,7 Mrd. Dollar fließen aus dem Börsengang in die Staatskasse der USA. Die Regierung ist dem Konzern in der Krise mit Milliardenhilfen beigesprungen und hat im Gegenzug Anteile erhalten, die sie jetzt teilweise verkauft. Die USA halten damit nur noch 33,3 Prozent an GM, bislang waren es 60,8 Prozent. Der Aktienkurs müsste auf fast 49 Dollar steigen, damit die US-Regierung ihre gesamte Investition zurückbekommt.

US-Präsident Barack Obama lobte den Börsengang denn auch als Meilenstein in der kurvenreichen Geschichte des Traditionskonzerns. Zugleich feierte er ihn als Erfolg für die "gesamte amerikanische Autoindustrie".

Auch Kanada und die Krankenkasse der Autogewerkschaft United Auto Workers verkaufen einen Teil ihrer GM-Aktien, die sie in der
Krise für Hilfen und finanzielle Zugeständnisse erhalten haben: Kanada reduziert seinen Anteil auf 9,6 Prozent von 11,67 Prozent, der Anteil der UAW-Kasse sinkt auf 13,3 Prozent von 19,93 Prozent.

Die künftigen Anteilseigner der Opel-Mutter sitzen künftig vor allem in den USA und Kanada. Die Investoren stammten mehrheitlich aus Nordamerika, sagte GM-Chef Dan Akerson in einem CNBC-Interview. Der 62-Jährige hat den Konzern nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens übernommen. Beteiligten zufolge gehen mehr als 90 Prozent der Anteile an Investoren aus dieser Region.

Auf größere Anlagefonds aus dem Nahen Osten und Asien sowie andere institutionelle Anleger aus dem Ausland würden weniger als fünf Prozent des Gesamtvolumens des Börsengangs entfallen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

In die Jubelstimmung an die Börse mischen sich aber auch kritische Stimmen. Experten haben bereits Zweifel angemeldet, ob GM die hohen Erwartungen der Börse erfüllen kann. Der Autobauer habe trotz seiner überarbeiteten Modellpalette noch einen Nachholbedarf bei verbrauchsarmen Motoren. Der Detroiter Konzern hatte jahrelang auf nicht mehr zeitgemäße Automodelle gesetzt und war vom Umschwung im Verbrauchergeschmack überrascht worden.

Den deutschen Gewerkschaften kommt der Börsengang zu früh. Sie befürchten, dass dadurch der wirtschaftliche Druck auf die Tochter Opel steigt, bereits im nächsten Jahr schwarze Zahlen zu schreiben. Der Bezirksleiter der IG Metall in Frankfurt, Armin Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt, sagte im Deutschlandfunk, es stelle sich die Frage, ob das Unternehmen den Anforderungen bereits gewachsen sei. „Die Kapitalmärkte reagieren brutal, das wissen wir alle.“

Nick Reilly, Chef von General Motors Europe und Opel, zeigte sich dagegen erleichtert über den erfolgreichen Börsenstart der Konzernmutter. „Es ist ein sehr wichtiger Tag für uns“, sagte der GM-Topmanager im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Ein Insolvenzverfahren ist kein angenehmes Erlebnis, doch in den USA mussten wir da durch. Doch das ist nun hinter uns“. Der Ausgabepreis von 33 Dollar sei „vielversprechend“, sagte Reilly. „Er liegt ein wenig höher als die Berater uns geraten haben. Doch wir glauben, dass GM das wert ist, und eine Menge Investoren denkt ebenso.“ Das sei ermutigend, so Reilly.

GM-Chef Akerson will Opel nach dem Vorbild der US-Sparte aus den roten Zahlen herausholen: Die Sanierung in den USA sei die Blaupause für die Restrukturierung des von Opel geführten Europageschäfts, sagte Akerson. Opel solle 2012 wieder rentabel sein, bekräftigte er.

GM ist vor allem in China stark und kommt auf dem Heimatmarkt USA in Fahrt. Der größte chinesische Autobauer SAIC beteiligte sich im Zuge des Börsengangs über eine Tochter mit knapp einem Prozent an GM. Der US-Konzern erhofft sich davon Vorteile gegenüber seinem ärgsten Rivalen Volkswagen auf dem stark wachsenden chinesischen Markt. SAIC wiederum will seinen Zugang zu den Märkten in Europa und den USA verbessern.

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