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Die alte Fehde zwischen den beiden Softwarekonzernen steuert auf ihren bisherigen Höhepunkt zu. Ein US-Gericht muss ab diesem Montag klären, ob die Deutschen die Amerikaner ausspioniert haben und wie hoch der Schaden ist. Beide Seiten beschimpfen sich wüst.

Noch kann Europas größter Softwarekonzern SAP feiern: Das krisengeschüttelte Geschäft ist zuletzt angesprungen, die Kunden kommen zurück, die Kasse füllt sich.

Die neue Stärke können die Walldorfer gut gebrauchen. An diesem Montag beginnt an einem Gericht in der kalifornischen Stadt Oakland ein gefährliches Verfahren gegen die Deutschen. Der Vorwurf: Industriespionage.

Der Erzrivale Oracle bezichtigt das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Walldorf, Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben und verlangt Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Letztlich geht es dabei wohl weniger nur um Geld als um persönliche Eitelkeiten. Oracle-Chef Larry Ellison pflegt eine Intimfeindschaft zu den Köpfen von SAP. Seit Jahren lässt er keine Gelegenheit aus, das Unternehmen und die Menschen dahinter schlecht zu machen.

Vorsorglich Geld beiseite gelegt

Servicemitarbeiter einer kleinen US-Tochterfirma lieferten SAP letztlich ans Messer. Die Mitarbeiter hatten Oracle-Produkte im Auftrag von Firmenkunden gewartet. Um die Oracle-Software in Schuss halten zu können, luden die Mitarbeiter mehrfach Daten von der Website des Rivalen herunter - genau das hätten sie nicht tun dürfen. Oracle entdeckte die illegalen Downloads und verklagte SAP im Jahre 2007.

SAP gab den Datenklau längst zu und erklärte sich auch bereit, den tatsächlich verursachten Schaden zu ersetzen. "Allerdings muss die Entschädigung angemessen sein", sagt ein Firmensprecher. Und genau hier scheiden sich die Geister: Während SAP in Millionen denkt, nennt Oracle eineHasso Plattner Milliardensumme. SAP hat vorsorglich schon mal insgesamt 160 Mio. Dollar beiseite gelegt.

Den nackten Hintern gezeigt?

Denn Oracle ist ein gefährlicher Gegner und er genießt Heimvorteil. Eine Richterin in Kalifornien entscheidet über das Wohl und Wehe von SAP. Die Walldorfer wollen das Verfahren nun beschleunigen und Oracle weniger Gelegenheit für Angriffe bieten, indem sie nicht mehr abstreiten, dass das Konzernmanagement von den Umtrieben der US-Tochter wusste. Letztlich geht es damit nur noch darum, die Höhe des Schadens festzustellen.

"Der Punkt ist, dass Oracle schlicht und einfach vorhat, das wochenlange Verfahren zu nutzen, um seine Wettbewerber zu schikanieren", teilte SAP-Anwalt Tharan Lanier in einem Schreiben ans Gericht mit. Neben SAP ist das vor allem der Computerhersteller Hewlett-Packard. Dessen neuer Chef Léo Apotheker war bis vor kurzem selbst SAP-Lenker und soll nun als Zeuge aussagen.

Ellison polterte, das "System der Industriespionage" habe unter Apothekers Schutz gestanden. "Ein großer Teil des Diebstahls passierte, als Herr Apotheker Vorstandsvorsitzender von SAP war." Das werde er vor Gericht beweisen - auch wenn der HP-Verwaltungsrat alles tun werde, um seinen neuen Firmenchef zu verstecken, bis das Verfahren vorbei sei.

SAP-Anwalt Lanier konterte, Oracle wolle einen "Medienzirkus" aus dem Verfahren machen, damit Konzernchef Ellison seine "Obsession" gegenüber HP ausleben könne. Die beiden US-Konzerne waren ehemals gute Partner; sie stehen mittlerweile aber bei Großrechnern in scharfer Konkurrenz. Zudem hatte sich Ellison über den Rauswurf seines Freundes Mark Hurd aufgeregt. Der ehemalige HP-Chef war über die Liaison zu einer Mitarbeiterin gestolpert.

Ellison hatte Oracle mit milliardenschweren Zukäufen zum zweitgrößten Anbieter von Software gemacht, mit der Unternehmen ihre Geschäfte steuern und überwachen. Dazu gehören etwa die Buchhaltung oder die Verwaltung von Kundendaten. Nummer eins in dem Geschäft ist aber weiterhin SAP - was Ellison ungemein wurmt.

Die Feindschaft treibt teils seltsame Blüten. Als während einer Regatta bei der Jacht von SAP-Mitgründer Hasso Plattner der Mast brach, soll ein Boot von Oracle einfach vorbeigesegelt sein. Der Legende nach revanchierte sich Plattner auf seine Art: Er zeigte der anderen Crew den nackten Hintern.

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