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So lustig kann Politik sein: Bürokratisierte Schachtelsätze haben beim Schweizer Bundesrat Hans-Rudolf Merz für eine Lachattacke gesorgt - und aus dem Finanzminister einen YouTube-Star gemacht.

Sein Sitz im Bundesrat, dem Schweizer Kabinett, wird in Kürze neu besetzt. Sieben Jahre lang hat Hans-Rudolf Merz das Eidgenössische Finanzdepartement geleitet, an trockenes Beamtendeutsch wollte er sich aber offenbar nicht gewöhnen. Bei einem seiner letzten Auftritte bekam der Politiker der Schweizer Liberalen deshalb eine Lachattacke. 

Praktisch: Nun kann Merz nicht nur auf eine Karriere als Finanzminister zurückblicken, er ist auch im Internet ein Star. Und das nicht etwa, weil er gierigen Banken Einhalt geboten hätte. Ausgerechnet das Thema Gewürzfleisch machte aus dem älteren Herrn im strengen grauen Anzug, bekannt für seine ehrgeizige Sparpolitik, eine Stimmungskanone.

Ein Nationalrat hatte sich besorgt erkundigt, wie der Bundesrat den Fleischimport regle. Für den Zollbeamten, der dem Finanzminister die Antwort schrieb, offenbar eine Steilvorlage. Merz versuchte zunächst dessen Schachtelsätze zu "Tieren der Rindviehgattung", gespickt mit Paragrafen und Zahlen, mit dem nötigen Ernst vorzulesen. Aber spätestens bei der "sogenannten Schweizer Erläuterung zum Zolltarif", nach der "gewisse Erzeugnisse noch im Kapitel zwei eingereiht" werden, "denen bei der Herstellung Würzstoffe zugesetzt worden sind" (wohlgemerkt: es geht immer noch schlicht um Fleisch), war es um ihn geschehen: Er brach in schallendes Gelächter aus.

Höhepunkt seiner kabarettreifen Einlage war das Wort "Bündnerfleisch", das Merz die Lachtränen in die Augen trieb.

Spontaner Applaus im Parlament

"Ich hab mich schon den ganzen Sonntag auf diese Antwort gefreut", erklärte der Politiker später, der kein Wort von der technokratischen Antwort verstanden hatte. Im Parlament sorgte sein Auftritt für spontanen Applaus. Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer erlaubte sich sogar eine "gepfefferte Zusatzfrage".

Gar nicht lustig fand dagegen der Zollbeamte Christian Kempter das Ganze. Er hatte die Anfrage beantwortet. Es war seine erste überhaupt. Übersetzt sollte seine Formulierung wohl bedeuten: Angesichts des Schweizer Fleischkonsums von 112.000 Tonnen im Jahr fallen hundert Tonnen Pfefferfleisch nicht ins Gewicht.

"Ich habe mir Mühe gegeben und nach bestem Wissen und Gewissen eine seriöse Antwort vorbereitet", sagte Kempter dem Online-Dienst "20 Minuten". "Herr Merz hat meine Antwort ins Lächerliche gezogen. Da fühle ich mich schon etwas gekränkt." 

Der Bundesrat soll sich daraufhin bei Kempters Vorgesetztem entschuldigt haben. Dabei war er nicht der erste Politiker, der eine Anfrage nicht ganz ernst nehmen konnte. Kollegin Doris Leuthard hatte es im Frühjahr beim Thema Gymkhana-Prüfungen von Pferden fast zerrissen.

Da soll noch mal jemand sagen, Politiker hätten keinen Humor.

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