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Haupttäter wegen Mordes verurteilt

Im Prozess um den gewaltsamen Tod von Dominik Brunner ist der Angeklagte Markus S. wegen Mordes zu neun Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Sein Mitangeklagter Sebastian L. muss wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge für sieben Jahre ins Gefängnis.

Das Gericht sah die Mordanklage gegen Markus S. als erwiesen an. Damit kam sie der Forderung der Staatsanwaltschaft nach, die für den mutmaßlichen Haupttäter Markus S. eine Verurteilung wegen Mordes in Tateinheit mit räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung gefordert hatte. Das Rachemotiv sei eindeutig und die höchstmögliche Jugendstrafe für den 19-Jährigen angemessen.

Indem er brutal gegen Brunners Kopf getreten und geschlagen habe, habe der Angeklagte den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, so die Staatsanwältin: "Markus S. handelte mit Tötungsvorsatz." Dass er zudem einen Schlüssel als Waffe benutzt habe, sei als Zeichen dafür zu werten, dass er einen Kampf ohne Grenzen erwartet habe.

Der Angeklagte Sebastian L. hingegen sollte aus Sicht der Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge sowie versuchter räuberischer Erpressung bestraft werden. Auch wenn sie der Überzeugung sei, dass er aus niederen Beweggründen gehandelt habe: Ein Tötungsvorsatz sei ihm nicht eindeutig nachzuweisen, sagte die Staatsanwältin.

Erster Schlag als Notwehr, Herztod als Folge

Nachdem Brunner am S-Bahnhof Solln mit den Jugendlichen ausgestiegen war, die er vor den Erpressungsversuchen von Markus S. und Sebastian L. in Schutz genommen hatte, habe er einen Angriff der Angeklagten erwartet, urteilte die Staatsanwältin. Diese hätten gleichzeitig die Konfrontation gesucht. Sie seien wütend gewesen, weil Brunner sich eingemischt hatte. Laut Staatsanwältin wären die Angeklagten in der Lage gewesen, an Brunner und den Jugendlichen vorbeizugehen. In dieser Situation habe das Opfer zugeschlagen und Markus S. im Gesicht getroffen: "Dominik Brunner handelte klar in Notwehr."

Die Herzerkrankung von Dominik Brunner sei für die rechtliche Wertung des Verbrechens unerheblich, sagte die Staatsanwältin. Die Angeklagten hätten nicht davon ausgehen können, dass ihr Opfer vollkommen gesund sei.

Verteidigung wollte deutlich niedrigere Strafen

Die Verteidiger der Angeklagten hatten deutlich niedrigere Strafen gefordert. Gegen Markus S. sollte nach Ansicht der Verteidigung der Mordvorwurf fallen gelassen und er wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt werden. Sie sprachen sich für ein Strafmaß von unter sieben Jahren aus. Niedere Beweggründe bestünden nicht. Auch habe es keinen Plan für die Tat gegeben.

Für den Mittäter Sebastian L. hatten die Verteidiger eine Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten beantragt. Er habe sich aus falsch verstandener Freundschaftshilfe am Angriff auf Brunner beteiligt. Die Verteidiger verwiesen außerdem darauf, dass sich Brunner den beiden Angeklagten in den Weg gestellt und durch seinen ersten Schlag die Situation in höchstem Maße habe eskalieren lassen.

Außerdem hatte die Verteidigung darauf verwiesen, dass Brunner herzkrank war. Ohne diese Krankheit würde er heute noch leben. Einzelne Tritte und Schläge seien jedenfalls nicht geeignet gewesen, den Tod Brunners unmittelbar herbeizuführen.

Nebenklage fordert Verurteilung wegen Mordes

Auch die Anwältin von Brunners Eltern, die als Nebenkläger auftreten, hatte für den mutmaßlichen Haupttäter eine Verurteilung wegen Mordes gefordert. Wer derart brutal zuschlage, rechne damit, dass sein Opfer ums Leben komme. Die Entschuldigung am ersten Verhandlungstag nahm sie Markus S. nicht ab, zumal der Angeklagte gelacht habe, als im Gerichtsaal Bilder mit Brunners Verletzungen gezeigt wurden. Sebastian L. müsse wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge belangt werden, so die Anwältin.

Gedenkfeiern am 1. Todestag

Knapp ein Jahr nach Brunners Tod wird der Prozess heute abgeschlossen. Am Sonntag, 12. September, dem ersten Todestag, werden in München und in seinem Heimatort Ergoldsbach Gedenkfeiern abgehalten. Bei einer ökumenischen Andacht am S-Bahnhof Solln soll ein vorläufiges Erinnerungskreuz angebracht werden, in Ergoldsbach werden ein Mahnmal zu Ehren Brunners sowie eine Kinderkrippe mit Schülerhort als Dominik-Brunner-Haus eingeweiht.

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