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„Ich gehe davon aus, dass die Preise Ende August angehoben werden“, sagt Peter Becker, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Auch Jaap Schalken, Chef des Großbäckers Kamps, rechnet mit höheren Preisen für Brot und Brötchen. Als Gründe nennen beide die Ernteausfälle beim Weizen durch die Dürre in Russland und das schlechte Wetter in Deutschland. Der Essener Bäcker Bernd Siebers schreibt schon neue Preisschilder für seine Brote und Kuchen. Er sagt: „Die Erhöhung ist erforderlich - unbedingt - wegen er Preisexplosion beim Weizen.“ Auch die Müller erwarten höhere Preise.

Das Mehl von Bäcker Siebers kommt aus Recklinghausen. Am Rhein–Herne Kanal verarbeitet die Mühle im Monat über 27.000 Tonnen Getreide. Paul Hovestadt, Geschäftsführer von Mills United, verweist auf die knappen Lagerbestände: „Die Speicher in Europa sind nicht voll. Wir haben hier relativ niedrige Bestände und müssen mit dem zurechtkommen, was der Markt hergibt.“ Und dann sind da noch die Bauern. Weizenbauer Johann Schmalhofer aus Franken erklärt: „Die Ertragseinbußen liegen aufgrund der enormen Trockenheit im Juli und der Niederschläge im August zwischen zehn und dreißig Prozent. Das wird dazu führen, dass der Getreidepreis nach oben geht. Der Mehlpreis wird nach oben gehen. Natürlich werden auch die Erzeugnisse wie Brot und Brötchen entsprechend teurer werden.“

Speicher gut gefüllt

Es gibt aber auch Experten, die sehen das ganz anders. Einer von ihnen ist Gabor Vogel. Der Rohstoffanalyst der DZ-Bank (gehört zum Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken) hat den hektischen Handel mit Weizen an den internationalen Rohstoffbörsen genau beobachtet. Der Weizenpreis in den USA erreichte Anfang August ein Zweijahres-Hoch: Der Scheffel (ca. 35 Liter) kostete sogar 8,41 Dollar. Das war fast doppelt so teuer wie einen Monat zuvor. Es folgte aber gleich auch der stärkste Kursrutsch seit 14 Jahren. Der Preis bewegt sich seitdem wieder auf sechs Dollar zu. „Ein sicheres Zeichen dafür, dass vor allem Spekulation den Preis getrieben hatte“, erklärt Gabor Vogel. Er räumt außerdem mit ein paar Behauptungen von Bauern und Müllern auf: „Die Speicher weltweit sind sehr gut gefüllt, auch in wichtigen Exportnationen wie den USA und Australien. In Deutschland ist die Situation auch noch relativ entspannt zu bewerten. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Weizenernte in Deutschland für den Bedarf in Deutschland ausreichen wird und dass wir unter Umständen sogar exportieren werden.“

Auch der deutsche Einzelhandel rechnet nicht mit einem großen Preisschub bei Lebensmitteln. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes, erklärt, dass Getreide und Mehl stark verarbeitet würden, sodass höhere Rohstoffkosten nicht eins zu eins beim Verbraucher ankämen.

Andere Preistreiber

Dass Weizen- und Mehlpreise den Brotpreis nicht direkt beeinflussen, zeigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes: 2009 war der Mehlpreis wegen Rekordernten deutlich gesunken. Aber die durchschnittlichen Preise für Brötchen und Brot blieben fast unverändert. Der Essener Bäcker Bernd Siebers erklärt: „2009 konnten wir die Preise nicht senken, weil wir in 2009 relativ schlechte Wirtschaftsergebnisse hatten. Wir waren dankbar darüber, dass die Mehlpreise zumindest nicht so hoch waren wie 2008.“

Mit dem Erlös aus seinen Broten muss der Bäcker die gestiegenen Preise für Energie, Versicherungen und Arbeit bezahlen. Doch das Argument mit den gestiegenen Mehlpreisen akzeptiert die Kundschaft eher, erklärt Bäcker Siebers: „Wir haben natürlich durch die Preiserhöhung im Rohstoffbereich Mehl die Medien auf unserer Seite. Man ist vorbereitet darauf, dass sich Preise verändern werden. Da muss man als Bäcker eben reagieren.“ Die Brötchenpreise wird Bäcker Siebers aber nicht erhöhen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Mehlkosten pro Bötchen nur rund zwei Cent ausmachen.

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