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Energiesparlampen verbrauchen weniger Strom als herkömmliche Glühlampen. Das ist gut für die Stromrechnung und die Umwelt - heißt es. Allerdings enthalten viele der marktgängigen Energiesparlampen giftiges Quecksilber im Leuchtstoff. Ab 1. September müssen die Hersteller nun erstmalig schon auf den Verpackungen angeben, wie viel Quecksilber die Lampe enthält. Die Angabe erfolgt in Milligramm neben dem chemischen Kürzel „Hg“ für Quecksilber. Bis zu fünf Milligramm des Giftes pro Lampe sind derzeit in Europa noch erlaubt. Doch damit sind diese Lampen bei Weitem nicht so harmlos, wie es die Hersteller gerne anpreisen.

Besonders für Risikogruppen wie Schwangere und kleine Kinder entsteht bei Glasbruch einer Energiesparlampe ein nicht zu unterschätzendes Risiko: Dann können sofort unsichtbare, geruchlose und gesundheitsschädliche Dämpfe freigesetzt und eingeatmet werden. Welche Menge im Körper aufgenommenes Quecksilber zu nachhaltigen gesundheitlichen Schädigungen führt, wird derzeit weltweit diskutiert.

Aber auch die Experten der europäischen Gesundheits- und Verbraucherschutz Kommission (SCHER) fordern in ihrem Bericht vom 18. Mai 2010 („Opinion on Mercury in Certain Energy-saving Light Bulbs“, ISBN 978-92-79-12756-4), dass gerade hinsichtlich der möglichen Quecksilber-Belastungen bei Kleinkindern und Föten durch zerbrochene Energiesparleuchten Untersuchungen durchgeführt werden.

Als „Achillesferse“ der Energiesparlampen bezeichnet der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA) Jochen Flasbarth gegenüber plusminus den Quecksilbergehalt. Eigene Messungen habe das UBA bisher nicht durchgeführt. „Wir verlassen uns natürlich darauf, dass die Angaben, die von der Industrie angeführt werden, auch korrekt sind“, erklärte Flasbarth. In seinem Amt kennt man aber auch die bislang weltweit einzige, unter wissenschaftlichen Bedingungen durchgeführte und veröffentlichte Studie: Im Auftrag des US-Bundesstaates Maine wurden 2007 über 60 handelsübliche Energiesparlampen zerbrochen und die Quecksilber-Emissionen in der Atemluft gemessen. Dabei wurden kurzfristige Spitzenwerte zwischen 25.000 und 50.000 Nanogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. In den USA gilt bezüglich Quecksilber in der Atemluft ein Richtwert von nur 300 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. (Maine Department of Enviromental Protection, Stahler et al., „Maine Compact Fluorescent Lamp Study“, Feb. 2008)

In Deutschland dient als Referenzwert bislang die maximal zulässige Konzentration am Arbeitsplatz (MAK) von 84.000 Nanogramm. Zulässige Grenzwerte für Kinder und private Haushalte sind derzeit nicht definiert.

Auf den Erkenntnissen der amerikanischen Studie beruhen jedoch auch die nachfolgenden Empfehlungen des UBA für die deutschen Verbraucher:

Was tun wenn eine Energiesparlampe zerbricht?

- Fenster öffnen. Die anwesenden Personen und auch Haustiere sollen den Raum verlassen.

- Türen schließen, nicht durch die Scherben laufen.

- Den Raum für 15 Minuten gut lüften, ggf. Heizung oder Klimaanlage abschalten. Erst dann mit den folgenden Reinigungsmaßnahmen beginnen:

- Während des Reinigens das Fenster möglichst geöffnet lassen.

- Keinen Besen oder Staubsauger verwenden!

- Gummihandschuhe zum Schutz der Hände vor scharfen Glassplittern und vor dem Kontakt mit Quecksilber tragen.

- Vorsichtig die größeren Stücke in ein luftdicht verschließbares Gefäß geben (z.B. ein leeres Konserven- oder Einmachglas). Kleinere Glassplitter mit Karton oder steifem Papier zusammenkehren und Reste wie Staub und feine Glassplitter mit feuchten Papiertüchern aufwischen.

- Auf weichen Oberflächen verbleibende kleine Splitter und Stäube mit Klebeband aufnehmen.

- Alle verwendeten Reinigungsutensilien und Gummihandschuhe in das Glasgefäß geben und möglichst schnell entsorgen. Bis zur Entsorgung sicher aufbewahren. Diese Abfälle gehören nicht in den Hausmüll, sondern müssen bei der örtlichen Sammelstelle abgegeben werden. Sie sind genauso wie nicht zerbrochene defekte Kompaktleuchtstofflampen Sondermüll.

- Im Anschluss an alle Reinigungsmaßnahmen den Raum noch einige Zeit lüften. Hände gründlich waschen.

Was tun, wenn die Kompaktleuchtstofflampe auf einem Teppich zerbrochen ist?

- Wischen Sie den Teppich nicht mit feuchten Tüchern ab. Auch einen Staubsauger sollten Sie nicht benutzen. Stattdessen sollten Sie nach dem Aufsammeln der größeren Bruchstücke vor allem mit Klebeband arbeiten.

- Wenn Sie den Teppich später das erste Mal wieder saugen, sollten Sie danach den Staubsaugerbeutel wechseln. Ältere Staubsauger ohne Feinfilter sollten Sie nicht verwenden. Achten Sie bei der weiteren Verwendung des Staubsaugers auf ausgiebige Lüftung des Raumes.

Allerdings raten die vom plusminus befragten Expertinnen der Umweltbehörde des US Bundestaates Maine dringend davon ab, überhaupt einen Staubsauger zum Entfernen von Quecksilberrückständen zu benutzen. „Damit würde das Quecksilber aufgewirbelt und verteilt sich erst recht in der Luft“, erklärte die für die US Studie federführende Chemikerin Deb Stahler im Interview gegenüber plusminus.

Wie sollte mit Quecksilber verschmutzte Kleidung gereinigt werden?

- Kleidungsstücke, Decken und Stoffe, die durch Glassplitter oder quecksilberhaltiges Pulver verschmutzt wurden, sollten Sie je nach Verschmutzungsgrad entweder entsorgen oder zunächst oberflächlich zum Beispiel mit Klebeband reinigen und erst dann in der Waschmaschine waschen.

- Schuhe, die in direkten Kontakt mit den Glassplittern oder dem quecksilberhaltigen Pulver gekommen sind, sollten Sie mit feuchten Papiertüchern abwischen.

- Stecken Sie verwendete Papiertücher und Klebeband zur Entsorgung in das Glasgefäß.

(Quelle: www.umweltbundesamt.de/energie/licht/leuchtstofflampenbruch.htm)

Gebrauchte, defekte und erst recht zerbrochene Energiesparlampen gehören keinesfalls in den Hausmüll, sondern zu einer Sammelstelle. Wo sich die für Sie nächste Sammelstelle befindet, erfahren Sie von der Abfallberatung Ihrer Kommune. Manche Händler nehmen Altlampen an und entsorgen sie. Fragen Sie bei Ihrem Elektrohändler nach.

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