Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Gutachten nimmt jüngste Preiserhöhungen ins Visier - Konzerne widersprechen

 

 

Trotz sinkender Einkaufspreise erhöhen zahlreiche Stromkonzerne die Tarife für die Verbraucher - im Schnitt um sechs Prozent. Ein Gutachten der Grünen-Bundestagsfraktion kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass die Preiserhöhungen völlig unberechtigt sind.

Die Vize-Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Bärbel Höhn, nannte die Preise im Deutschlandfunk unfair: "Unser Gutachter sagt, dass ungefähr eine Milliarde Euro zu viel in Rechnung gestellt werden." Höhn forderte eine Überprüfung des Monopols der Energiekonzerne.

Energieversorger widersprechen

Aktuell erhöhte RWE die Preise um 1,5 Cent pro Kilowattstunde. Das beträfe circa zwei Millionen Kunden. Das Stromkunden-Informationsportal Verivox berichtete, dass in der ersten Jahreshälfte 454 Grundversorger die Preise um durchschnittlich sechs Prozent erhöhten.


Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wies die Studie zurück. Den Großteil des Stroms, der an private Endverbraucher verkauft wird, würde "bis zu drei Jahre" im Voraus beschafft. Deshalb sei der starke Preisrückgang im Stromgroßhandel im Jahr 2008 noch nicht bei den Endkunden angekommen. Zudem kündigte der BDEW höhere Strompreise auch im kommenden Jahr an. Grund sei die Umlage für die Einspeisung erneuerbarer Energien.

Studie: Strom sehr wohl immer billiger

Das zentrale Ergebnis der Grünen-Studie ist in zwei Sätzen zusammengefasst: "Die Preiserhöhungen beim Strom für die Haushaltskunden im Jahr 2010 sind nicht nachvollziehbar. Preiserhöhende Faktoren werden durch ein bislang nicht weitergegebenes Preissenkungspotential kompensiert." Das oftmals von Stromunternehmen angeführte Argument der gestiegenen Beschaffungskosten sei nicht stichhaltig.

Seit 2008 sind sowohl die Brennstoffkosten als auch die Strompreise auf der Großhandelsebene gesunken. Die maßgeblichen Preise an der Leipziger Strombörse sind in diesem Zeitraum um 30 bis 40 Prozent gesunken. Dagegen sind für die Unternehmen die Belastungen durch die höheren Preise, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz bei regenerativen Energiequellen gelten, gestiegen. Dieser Anstieg sei aber bei weitem nicht so hoch, wie der Vorteil durch den billigeren Einkaufspreis. "Die stark gesunkenen Einkaufspreise an der Börse müssen endlich von den Energieversorgern an die Kunden weiter gegeben werden", forderte Höhn.

Verbraucher zahlen eine Milliarde zu viel

Als Indiz für die ungerechtfertigten Preiserhöhungen dient auch ein Vergleich mit den anderen EU-Ländern. "In den letzten beiden Jahren sind die Strompreise in Deutschland mehr als vier Mal so stark gestiegen wie im europäischen Vergleich." Durch die nicht nachvollziehbaren Preiserhöhungen zahlen die Verbraucher laut Studie in diesem Jahr rund eine Milliarde Euro zu viel an die Energieversorger.


Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass der "immer noch nicht ausreichende Wettbewerb als Hauptursache für unzureichende Preissenkungen anzusehen" ist. Erstes Ziel sollte "das Aufbrechen der dominanten und marktbeherrschenden Stellung des Duopols RWE und Eon im Erzeugungsmarkt" sein. Höhn erklärte hierzu: "Man muss wirklich an die Monopolstellung gerade von RWE und Eon ran, weil die durch die Monopolstellung einfach unfaire hohe Preise fordern."

Studie: Gewinne der Konzerne gestiegen

Eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zu den Stromkonzernen habe ergeben, dass "die Gewinne explodiert sind zwischen 2002 und 2007". Der Gesetzgeber müsse die Konzerne zum Verkauf von Kraftwerkskapazitäten anhalten, forderte Höhn.
Und die Stromkunden sollten den Anbieter wechseln. Dies kann sich durchaus lohnen, der "Verivox-Verbraucherpreisindex Strom" ist im Jahr 2010 um rund zwei Prozent gestiegen. Gleichzeitig konnten aber 129 Stromanbieter die Preise um fünf Prozent senken.

SeitenURL :
Qr Code