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Der Chemie-Riese BASF kauft zu einem stolzen Preis den Spezialchemie-Hersteller Cognis.

 

 

Auch Evonik hatte sich für die frühere Henkel-Tochter interessiert. Mit dem Deal kommt die Neuordnung der Chemiebranche in Nordrhein-Westfalen in Gang.

Für die 5600 Mitarbeiter des Chemie-Herstellers Cognis hat die Ungewissheit endlich ein Ende. Ihre bisherigen Eigentümer, die Finanzinvestoren Permira und Goldman Sachs, verkaufen das Monheimer Unternehmen an die BASF für gut drei Milliarden Euro. Am Dienstag wurde der Kaufvertrag in Ludwigshafen unterschrieben, am Mittwoch soll der Deal bekannt gegeben werden, wie es in Firmenkreisen heißt.

Cognis stellt Vorprodukte für Kosmetik, Wasch- und Nahrungsmittel her und war einst Tochter des Henkel-Konzerns. 2001 hatte Henkel das Unternehmen für 2,5 Milliarden Euro an Permira und Goldman Sachs verkauft. Die beiden hatten den Kauf stark durch Schulden finanziert, die sie später auf Cognis abwälzten. Gleich zweimal musste Cognis eine Sonderausschüttung von 320 bzw. 350 Millionen leisten. Heute drücken das Unternehmen, das allein in Düsseldorf und Monheim 1800 Mitarbeiter beschäftigt, Schulden von 1,7 Milliarden Euro. Gemessen daran gilt der Preis, den BASF nun zahlt, als hoch.

Zukauf in Spezialchemiebranche

Doch der Weltmarktführer aus Ludwigshafen wollte offenbar um fast jeden Preis bei der Spezialchemie zulegen. Zukauf in der Spezialchemiebranche Bisher war BASF vor allem in der Grundstoffchemie stark, die konjunkturanfällig und in der jüngsten Wirtschaftskrise besonders eingebrochen ist. Dagegen wirft die Spezialchemie, wie auch Cognis sie herstellt, höhere Renditen ab und reagiert weniger auf die Konjunktur. "Strategisch passt Cognis gut zu BASF", sagt auch Christian Faitz, Analyst der Macquarie Bank.

Die Cognis-Arbeitnehmer reagieren verhalten. Sie wissen, dass beim Kauf durch einen Konkurrenten gerne Verwaltungsbereiche zusammengelegt und Stellen gestrichen werden. Ein Commerzbank-Analyst sagt es so: Der BASF-Konzern habe schon bei früheren Übernahmen gezeigt, dass er gut im Heben von Synergien ist. Cognis-Betriebsrats-Chef Thomas Hergarten beruhigt dagegen: "Ich bin zuversichtlich, dass es Cognis und seine Arbeitsplätze auch weiterhin gibt", sagte er unserer Redaktion. Natürlich bestehe bei Eigentümerwechseln stets die Gefahr des Stellenabbaus, aber das hänge von der Strategie ab.

Neuaufstellung der Chemiebranche

Der Verkauf von Cognis ist der Anfang, die gesamte Chemiebranche in NRW steht vor der Neuordnung. Vor drei Jahren hatte das Leverkusener Unternehmen Lanxess schon mal um die (größere) Evonik-Tochter Degussa geworben. Daraus wurde bekanntlich nichts. Doch Lanxess, in die der Bayer-Konzern einst seine Chemiesparte ausgegliedert hatte und die zunächst als "Bayers Resterampe" geschmäht wurde, hat sich nach Meinung von Analysten inzwischen als überraschend starker Spieler etabliert und wird durch Zukäufe wachsen wollen.

Auch die Krise hat Lanxess gut überstanden. Das kann man von der Kunststoffsparte Bayer Material Science, die weiter zu Bayer gehört, nicht sagen. Sie ist wie BASF stark in der Autozulieferung engagiert und hat mehr als andere in NRW unter der Rezession gelitten. Auch im ersten Quartal lag ihr Gewinn noch unter dem Niveau von vor der Krise. Das befeuert Spekulationen, wonach Bayer Material Science mittelfristig an einen arabischen Investor verkauft werden soll.

Jäger, nicht Gejagter will dagegen Evonik sein. Auch der Essener Konzern setzt auf Spezialchemie und hat die Krise gut überstanden. Evonik will seine Bereiche Immobilien und (teilweise) Energie abgeben, mit dem Erlös soll die Chemie gestärkt werden. Auch Evonik hatte sich Cognis angesehen, in der Gesamtheit passte es am Ende doch nicht. Mit Spannung verfolgt die Branche zudem, was die Milliarden-Erbin Susanne Klatten bei Altana vorhat, nachdem sie die Kleinaktionäre erfolgreich aus dem in Wesel sitzenden Unternehmen gedrängt hat. Die relativ kleine Altana gilt langfristig vielen eher als Übernahmekandidat, denn als Käufer. Andererseits hat Frau Klatten das nötige Kleingeld, um zuzukaufen.

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