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6000 Quadratmeter in Griesheim, 1600 im Ostend und 4000 andernorts in der Stadt. Betreiber von Rechenzentren schaffen in Frankfurt weitere Flächen für die Hochleistungsrechner von Kunden aus aller Welt. Ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Viele Unternehmen erheben sich in diesen Wochen aus einem tiefen Konjunkturtal – Interxion oder Equinix, Telecity oder Databurg dagegen kennen schon seit geraumer Zeit nur den Weg nach oben: Die Betreiber von Rechenzentren in Frankfurt erfreuen sich der anhaltend starken Nachfrage von Banken, Versicherungen, Spieleanbietern, Händlern, Industriebetrieben oder auch Telekommunikations-Unternehmen nach Flächen für Hochleistungscomputer. Dies schlägt sich in neuen Flächen für Rechenzentren nieder. Hinter dieser Expansion stehen zwei Tendenzen: Erstens wachsen die Dienstleistungen im Internet weiter, zweitens lagern andere Unternehmen mehr und mehr ihre eigene Informationstechnik aus und nutzen Räume außerhalb der Firmengebäude.

Der Anbieter Telecity, ein börsennotiertes britisches Unternehmen, will 4000 Quadratmeter schaffen. Wo genau, behält Geschäftsführer Martin Essig vorerst noch für sich. Derzeit betreibt die Telecity Group Germany GmbH rund 8300 Quadratmeter, verteilt auf zwei Standorte an der Gutleutstraße und an der Lyoner Straße. In etwa vier Wochen wird der Konkurrent Interxion „Frankfurt 6“ in Betrieb nehmen und seine Kapazität an der Hanauer Landstraße um 1800 auf 15.000 Quadratmeter hochschrauben.

Platz für 1700 Racks

Und eine weitere Investition zeichnet sich ab: Anfang April hat die deutsche Tochterfirma des holländischen Interxion-Konzern den Erwerb eines gut fußballfeldgroßen Geländes am Frankfurter Oberhafen unweit des Stammareals verkündet; dort könnte das Unternehmen seine Rechenzentrumsflächen verdoppeln.

Derweil hat Mitbewerber Equinix mit einer Feier einschließlich Multimedia-Show sein „FR 4“ in Betrieb genommen. Auf einer Gesamtfläche von etwa 6000 Quadratmeter bietet der börsennotierte amerikanische Konzern in Griesheim Platz für 1700 sogenannte Racks für Computer, die jeweils etwa zweieinhalb Quadratmeter brauchen. Wenn dieses Rechenzentrum komplett ausgebaut sein wird, werden es 12.000 Quadratmeter sein. Wobei zuerst die 6500 Quadratmeter belegt werden müssen, was binnen ein bis zwei Jahren gelingen soll. Dessen ungeachtet soll „FR 4“ die Rolle Frankfurts als globales Drehkreuz stärken. Mit dem Neubau summieren sich die Equinix-Flächen am Standort Frankfurt auf rund 28 000 Quadratmeter; „FR 1“ steht in Bergen-Enkheim und ist das größte Einzelzentrum des Anbieters weltweit, wie Eric Schwartz, Europa-Präsident von Equinix, sagt. „FR 3“ befindet sich in der Innenstadt und „FR 2“ zwar in Mörfelden-Walldorf, wird aber dennoch zu Frankfurt gezählt.

Große Kunden, kleine Kunden

Die Riege der großen Anbieter wird komplettiert von Databurg, dem ältesten Unternehmen dieser Art in der Stadt, Global Switch und E-Shelter, die sich im Gegensatz zu Equinix, Interxion und Telecity auch und gerade auf Großkunden spezialisiert haben, wobei die aus Telenorma und Avaya hervor gegangene Databurg auf etwa 25.000 Quadratmetern im Gallus auch kleine Rackflächen vorhält, wie Geschäftsführer Norbert Zeißler sagt. E-Shelter bietet 60.000 und Global Switch bietet in Rödelheim 10.000 Quadratmeter für Rechner an - und zählt wie Databurg 20 Mitarbeiter. Die Zahl der Kunden ist mit 35 allerdings nur knapp halb so hoch wie jene von Databurg. Dagegen betreuen Equinix, Interxion und Telecity jeweils Hunderte Kunden, die beiden Letztgenannten auch den Frankfurter Internetknoten-Betreiber De-Cix.

Flächen für Rechenzentren sind indes nicht nur gefragt – sie sind auch ein teures Geschäft: Interxion investiert im Osten Frankfurts 18 Millionen Euro, Equinix hat gerade auf der anderen Seite der Stadt in einem ersten Schritt 21 Millionen Euro in die Hand genommen – 30 Millionen Euro sollen es letztlich werden. Wie viel Telecity aufwenden will, sagt Geschäftsführer Essig noch nicht. Mit Sicherheit werden es wie in den anderen Fällen viele Millionen sein.

Strom von außen plus Batterie plus Diesel-Aggregate

Denn auch wenn sich die Geschäftsmodelle der Anbieter im Detail voneinander unterscheiden – eines eint sie: Sie stellen die gesamte Infrastruktur, die für Hochleistungsrechner schlicht notwendig ist. Außer der Energiezufuhr von außen, die im Fall Equinix, Interxion und Telecity über die Mainova läuft, halten die Unternehmen auch ungezählte Batterien vor, um für einen Stromausfall gerüstet zu sein und die wenigen Sekunden bis zur Inbetriebnahme der Diesel-Aggregate zu überbrücken. Equinix etwa bunkert stets 160.000 Liter Diesel, wie Deutschland-Chef Jörg Rosengart sagt. Diese Menge reicht für 72 Stunden – und falls sie zur Neige gehen sollte: Die Firma verfügt über einen Vertrag, der umgehendes Nachtanken garantiert, wie er hinzufügt. Denn einen Stromausfall können sich die Kunden nicht leisten, weil dann ihr Geschäft erheblich leiden würde – und ohne Kühlung streikten die Computer bald.

In Sachen Kühlung ragt Databurg mit einer Eigenheit hervor: Der Betrieb zapft einen eigenen Brunnen an, muss sich also nicht allein auf den Zufluss von außen verlassen. Dem Umstand, direkten Zugang zu einem Kraftwerk zu haben, schreibt Geschäftsführer Zeißler eine besonders ausgeprägte Versorgungssicherheit zu. Für Sicherheitsheit im eigentlichen Sinne sorgen die Rechenzentrumsbetreiber allesamt durch Zugangskontrollen: Wer den Ausweis nicht vorzeigt, bleibt draußen.

„Jeder Anbieter kann Geschäft machen“

Ansonsten profilieren sie sich mit einer besonderen Ausrichtung: Telecity etwa will Kunden gewinnen, die bisher nicht in Deutschland sind, Equinix setzt vor allem auf Finanzdienstleister. Eines nutzt derweil allen: „Frankfurt hat den Vorteil einer Vielzahl von Datenleitungen. Diese ziehen viele Kunden an, da kann jeder Anbieter Geschäft machen“, sagt Zeißler.

Führende Rolle bei Colocation und Rechenzentren

Frankfurt beherbergt nicht nur den mittlerweile größten Internetknoten der Welt. In der Stadt finden sich zudem in etwa so viele Flächen in Rechenzentren, die nicht zu einem Telekommunikations- oder Computerkonzern gehören, wie im ungleich größeren London. Solche Rechenzentren und die darin befindlichen Hochleistungsrechner sind ein wesentliches Rückgrat des globalen Datenverkehrs und wichtig für den Standort Frankfurt. Die Kerndienstleistung der Betreiber der Rechenzentren wird Colocation genannt: Sie kümmern sich um sichere Stromzufuhr und Kühlung der Großrechner von Kunden und nicht zuletzt um die Sicherheit. Deshalb schweigen sie sich über die Kunden gerne aus. Die führende Rolle Frankfurts auf dem Gebiet der Colocation ist vielen Menschen allerdings nicht bewusst, wie Roman Beck sagt. Der Stiftungsjuniorprofessor für E-Finance und Service Science am House of Finance in Frankfurt hat eine Studie zur Wertschöpfung in digitalen Netzen erstellt. „Hochwertige digitale Infrastruktur ist ein messbarer Standortvorteil. Sowohl Glasfasernetze als auch Rechenzentrumskapazitäten entscheiden über die Attraktivität eines Standorts für Unternehmen aus der Finanz- und Telekommunikationsbranche sowie für Firmen aus der Kreativwirtschaft und weiteren Wirtschaftszweigen“, lautet eine Kernbotschaft.

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