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Gesundheitsexperten fordern bessere Bedingungen - Im ländlichen Raum lassen sich immer weniger Mediziner nieder.

 

 

Deutschland droht ein Ärztemangel. Nach einer neuen Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fehlen derzeit bundesweit 3620 niedergelassene Ärzte. Dazu zählen mehr als 2000 Hausärzte, 1200 Psychotherapeuten und 330 Fach- und Kinderärzte. Die KBV und der Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller forderten deshalb bessere Bedingungen und Anreize für Mediziner.

"Wir müssen den drohenden Ärztemangel als gesellschaftliche Herausforderung begreifen", sagte der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler. Der CSU-Politiker Zöller sagte dem "Focus": "Für viele ist die freie Arztwahl tatsächlich reine Theorie. Wir müssen gezielt für Anreize sorgen, damit sich Ärzte auch im ländlichen Raum niederlassen."

Das Problem hat sozialpolitische Bedeutung, denn immer mehr Ältere, die mehrere Krankheiten haben, sind auf einen Allgemeinarzt in der Nähe angewiesen. Tausende niedergelassene Ärzte stehen aber vor dem Ruhestand. Und auch viele Kliniken suchen händeringend nach Medizinern. Vor allem Hausärzte auf dem Land finden keine Nachfolger, während es an Fachärzten in Ballungsräumen kaum mangelt.

Dennoch ist die Gesamtzahl der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland auf zuletzt rund 150 000 gestiegen. Das Problem liegt an ihrer räumlichen Verteilung. Die meisten freien Arztsitze gibt es mit 678 in Niedersachsen, so die KBV-Statistik. In Nordrhein-Westfalen könnten 493 Ärzte aus dem Stand eine Zulassung bekommen - gefolgt von Sachsen-Anhalt (379), Bayern (360), Sachsen (357), Baden-Württemberg (282), Thüringen (222) und Brandenburg (211).

Vor Beginn der Verhandlungen über eine neue Gesundheitsreform Anfang des Jahres machte Ärztefunktionär Köhler Druck für seine Forderungen nach attraktiven Bedingungen und Änderungen der Zulassungsregeln. Ärzte- und Klinikorganisationen sollten mit den Ländern, den Krankenkassen und Patientenvertretern den Ärztebedarf planen, sagte er: "Regionalverbünde in jedem Bundesland koordinieren die Versorgungsplanung." Der Bedarf an niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten solle so besser abgestimmt werden. Der unabhängige Sachverständigenrat fürs Gesundheitswesen hatte zuletzt gemahnt, die hausärztliche Versorgung sei wegen Nachwuchsmangels nicht gesichert.

Köhler forderte: "Länder, Städte und Kommunen sind genauso wie Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen aufgefordert, Ärzten attraktive Rahmenbedingungen zu bieten." Zöller sprach sich für ein Ende der geltenden Budget-Grenzen bei der Bezahlung der Ärzte durch die Kassen aus. "Nur dann weiß der Arzt, dass er für seine Leistung auch bezahlt wird, wenn er sie für Kassenpatienten erbringt." Die Kassen hatten Ärzteforderungen nach stärker steigenden Honoraren stets zurückgewiesen, da dies den Beitragszahlern nicht zuzumuten sei.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Gesundheitsreform zu Beginn des Jahres mit einer Regierungskommission auf den Weg bringen. Noch im Januar werde Rösler mit Mitarbeitern in Klausur gehen und dann einen Zeitplan vorlegen, kündigte Zöller an. Der regional immer stärker drohende Medizinermangel zählt zu den zentralen Punkten.

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