Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Stihl baut wieder mehr Kettensägen in Deutschland - Laut VDI werden viele Firmen folgen

 

 

Der Produktionsstandort Deutschland erlebt eine Renaissance. Seit einigen Monaten schon steigt die Zahl der Unternehmen, die Kapazitäten aus Billiglohnländern in die Heimat zurückverlagern. Jüngstes Beispiel ist der Motorsägenhersteller Stihl. Die Schwaben werden im kommenden Jahr Teile ihrer Fertigung aus Brasilien zurückholen. Das hat Vorstandschef Bertram Kandziora angekündigt.

Rund 50 000 Sägen sollen statt in Südamerika wieder am Stammsitz in Waiblingen produziert werden. "Damit bekennt sich das Unternehmen zum Standort Deutschland und sichert hierzulande Arbeitsplätze", sagte Kandziora.

Stihl leidet unter der weltweiten Wirtschaftskrise. Daher wurden in den vergangenen Monaten 600 der zu Krisenbeginn rund 11 500 Arbeitsplätze abgebaut. Mit der Rückverlagerung aus Brasilien sollen nun weitere Stellenstreichungen in Deutschland vermieden werden. "Natürlich kostet eine solche Regelung etwas", sagt Kandziora. Trotzdem gebe es keine Kostennachteile für das Unternehmen. Denn aufgrund der starken Landeswährung und Zusatzkosten durch Zoll, Fracht und Steuern habe Brasilien beim Export deutlich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Stihl hatte daher schon einmal Kapazitäten aus Brasilien zurückgeholt. Nun werden einige Verkaufsregionen wieder von Deutschland aus beliefert.

Für Willi Fuchs, Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure VDI, kommt die Entscheidung von Stihl nicht überraschend. "Für viele Unternehmen erweisen sich derzeit vor allem kostengetriebene Verlagerungen als Trugschluss." Die Beteiligungsgesellschaft Bavaria Industriekapital hält sogar bis zu 50 Prozent aller Verlagerungsentscheidungen für unnötig - vor allem dann, wenn der Lohnkostenanteil nur gering ist.

Fuchs prognostiziert daher für die kommenden Jahre eine regelrechte Welle von Rückverlagerungen. Der Experte beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des VDI. Danach hat sich die Zahl der Produktionsverlagerungen in den vergangenen drei Jahren um 40 Prozent reduziert und damit den niedrigsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Vor allem aber kommt mittlerweile schon auf jeden dritten Verlagerer ein Unternehmen, das seine Produktion aus dem Ausland zurückholt. "Drei von vier Rückkehrern sind schlichtweg enttäuscht", berichtet Studienleiter Steffen Kinkel vom ISI.

Hauptgrund für diese Entwicklung sind nach Angaben des VDI Qualitätsprobleme. Der Spielzeughersteller Steiff zum Beispiel lässt deswegen seine Stofftiere künftig wieder komplett in Deutschland produzieren. Denn wegen schief sitzender Glasaugen hatten etliche Teddybären der baden-württembergischen Traditionsmarke nicht mehr treuherzig geguckt, sondern vor sich hin gestiert. Neben den Qualitätsdefiziten machen Experten fehlende Flexibilität, hohe Koordinationskosten, schlechte Zulieferstrukturen und steigende Lohnkosten für den Rückkehrtrend verantwortlich. In einigen osteuropäischen Ländern etwa gab es Lohnsteigerungen von durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr.

Kaum verwunderlich also, dass mittlerweile fast jeder zweite Rückkehrer aus Osteuropa kommt. "Die Region hat ihren Status als verlängerte Werkbank verloren", sagt Kinkel. Zumal die oftmals hocheffizienten deutschen Standorte mit ihrer hochmodernen Technik nach Ansicht der internationalen Unternehmensberatung PA Consulting Group konkurrenzfähiger sind als viele Firmen selbst annehmen. So haben PA-Analysen im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Autozulieferindustrie ergeben, dass eine interne Fertigung bei Kleinserien Einspartpotenziale von bis zu 25 Prozent gegenüber der externen Produktion bieten kann. Zumal Unternehmen mit hoher Fertigungstiefe meist deutlich produktiver seien. Stihl hat in Waiblingen eine solch effektive Fertigung. Zumal die Schwaben Weltmarktführer sind und in der Krise trotz Absatzrückgang zusätzliche Marktanteile gewonnen haben.

SeitenURL :
Qr Code