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Der nächtliche Ausfall des Lufthansa-Computersystems wirbelt weltweit die Flugpläne durcheinander.

Am Frankfurter Flughafen bilden sich Hunderte Meter lange Schlangen, das Service-Personal muss das Chaos mit Stift und Papier in den Griff bekommen.

In der Menschentraube vor der digitalen Anzeigetafel in Halle B am Frankfurter Flughafen ist kein Durchkommen mehr. Dutzende Fluggäste starren ungläubig von der Tafel auf ihre Flugunterlagen und wieder zurück. Viele kramen ihr Handy hervor und telefonieren. Andere verfolgen die Abflughinweise der größten europäischen Fluggesellschaft, der am Mittwoch eine Computerpanne die Flugpläne durcheinanderwirbelt. Leipzig 10.15 Uhr, Nürnberg 10.25 Uhr, Düsseldorf 10.35 Uhr - alle gestrichen. Viele Fluggäste blicken sich hilflos um.

Die routinemäßige Software-Aktualisierung für einen Zentralcomputer hatte über Nacht das Abfertigungssystem der Lufthansa ausfallen lassen. Weltweit müssen Passagiere per Hand mit Stift und Papier eingecheckt werden, berichtet Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. An Deutschlands größtem Luftdrehkreuz Frankfurt sorgt all das für rund 200 Meter lange Schlangen vor den Schaltern.

"Ich hoffe, meinen Flug noch zu erwischen, aber niemand weiß Genaues", sagt Tamara Schneider. Die 29-jährige Amerikanerin hatte ihre Tanten in Deutschland besucht und will nun zurück nach Boston. "Mein Flieger soll um 12.50 Uhr gehen, ob das noch klappt - keine Ahnung."

Das Service-Personal in den weinroten Westen hat den undankbaren Job, immer wieder aufs Neue zu erklären: "Alles, was wir wissen, ist, dass es Verzögerungen gibt und Flüge ausfallen. Bitte bleiben Sie in der Schlange." Ein 54 Jahre alter Lufthansa-Mitarbeiter, der um 12.10 Uhr nach Zürich fliegen will, sagt 60 Minuten vorher: "Das wird schon alles klappen." Weniger hoffnungsvoll klingt das bei Marek. Der Pole will ins schlesische Kattowitz und dort einen Inlandsflug erwischen.

Doch seine Maschine ist mit 70 Minuten Verspätung angekündigt. "Mir hilft hier keiner. Was ist, wenn die Verbindung doch noch gestrichen wird? Bucht man mich dann um? Bekomme ich Geld zurück, wenn ich meinen Anschlussflug verpasse?", fragt der 22-Jährige.

Gepäckannahme ohne Computerhilfe

Die Bildschirme der gut 40 Lufthansa-Automaten für den schnellen Check-in auf eigene Faust zeigen derweil alle dasselbe Bild: Im schwarzen Weltraum über der Erdhalbkugel prangen die weißen Lettern: "Außer Betrieb / Out of Order". Der Lufthansa-Werbespruch: "There's no better way to fly" (Es gibt keinen besseren Weg zu fliegen) - er geht an diesem Tag gründlich an der Realität vorbei.

"Wegen technischer Störungen kommt es zu Verspätungen bei den Lufthansa-Verbindungen", leiert eine Stimme in regelmäßigem Abstand aus den Lautsprechern. Die sieben Damen am zentralen Schalter der Lufthansa ackern nach Kräften - doch bis die Arbeit manuell erledigt ist, dauert es pro Passagier oft länger als zwei Minuten.

Zu allem Überfluss muss auch die Gepäcklogistik ohne die Hilfe von Scanner und Computer erledigt werden, da die Sicherheitsvorschriften dies nun einmal so verlangen. "Es ist doch das pure Chaos hier", wettert Dave Austrin. Der Texaner mit Cowboyhut und US-Army-Jacke meint nur: "Irgendwie sieht das hier nicht nach deutscher Effizienz aus."

Doch es gibt auch Wartende, die alles gelassener sehen. "Das wird schon alles glattgehen, nur keinen Stress", sagt Luba-Anna Reisler, die eigentlich in 50 Minuten nach Mailand-Malpensa abheben sollte.

Glück im Unglück hatte ein 41 Jahre alter Geschäftsmann aus der Weinbranche. "Ich war viel zu früh hier, weil ich mit einer Freundin Essen gehen wollte", sagt der Stuttgarter, der noch nach Tokio will und gut zwei Stunden Zeit hat bis zum planmäßigen Abflug. Ganz wohl ist ihm aber dennoch nicht: In der knapp 200 Meter langen Schlange ist er in einer halben Stunde nur 20 Meter vorwärts gekommen.

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