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Ein guter Ruf ist teuer – ein schlechter allerdings noch teurer. Denn eine schlechte persönliche Bewertung kostet jeden Bundesbürger bares Geld.

 

Die Folgen eines schlechten Ratings können gravierend sein. Eine Studie des Verbraucherministeriums offenbart eklatante Schwächen bei Kreditdaten von Schufa & Co.

 

Was nur die wenigsten wissen: Jeder Deutsche hat eine Karteikarte bei Ratingagenturen und Auskunfteien wie Schufa oder Creditreform. Auf dieser steht der finanzielle Ruf schwarz auf weiß. Der entscheidet darüber, wer einen Kredit bekommt, eine Wohnung mieten darf oder den Fernseher auf Pump kaufen kann. Doch die gängigen Verfahren von Banken oder Einzelhändlern zur Bewertung von Kunden liefern häufig falsche Ergebnisse. Denn viele der von Schufa&Co. gespeicherten Informationen sind schlicht fehlerhaft. Das ergab eine Studie, die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner vorstellte.

Das Institut für Grundlagen und Programmforschung prüfte im Auftrag des Ministeriums die großen Auskunfteien Schufa, Creditreform, Bürgel und Arvato Infoscore. Bei der Schufa kritisierten die Tester vor allem die hohe Fehlerquote. 46 Prozent der Einträge waren nicht korrekt. Mal handelte es sich um eine Namensverwechslung, mal war ein Immobilienkredit falsch eingetragen, mal in der Kontonummer ein Zahlendreher. 

Die Schufa-Konkurrenz wurde vor allem für die mangelnde Aussagekraft ihrer Informationen gerügt. Bei Creditreform bekamen 58 Prozent der Tester einfach die gleichen Informationen zugeschickt, die sie selbst übermittelt hatten. Bei Infoscore lagen in 95 Prozent der Fälle keine bonitätsrelevanten Informationen vor. Dies sei höchst zweifelhaft, so Aigner. „Falsche Werte führen zu falschen Rückschlüssen auf den Verbraucher.“ 

Während jenseits des Atlantiks Bonitätsnoten den Alltag der Amerikaner bestimmen, wissen hierzulande gerade einmal zwölf Prozent der Deutschen überhaupt, dass sie ein eigenes Rating, einen Scoring-Wert, haben. Das Scoring ist ein statistisches Verfahren, mit dem die Bonität der Verbraucher ermittelt wird.

Der Wert soll Auskunft darüber geben, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Kredit pünktlich bedient wird. Grundlage bilden personenbezogene Daten, etwa unbezahlte Rechnungen, Anzahl der Konten, Kredite oder Handyverträge aber auch Wohnumfeld, Automarke, Familienstand, Anzahl der Kinder, Beruf oder E-Mail-Adresse. Das Verfahren wird nicht nur für die Prognose der Zahlungsmoral eingesetzt, sondern auch für die Voraussage von Schadensfällen beim Abschluss einer Versicherung. 

Die bekannteste Datensammelstelle für Geldinstitute, Händler, Telefonanbieter, Energieversorger oder Vermieter ist die Schufa mit rund 65 Mio. Einträgen. Sie ordnet nahezu jedem Bundesbürger, der ein eigenes Bankkonto unterhält, einen Wert zwischen Null und 100 zu. Dieser soll die Wahrscheinlichkeit ausdrücken, mit der ein Verbraucher seinen Vertrag erfüllt. 100 ist damit die Höchstpunktzahl. 

Die Folgen eines schlechten Ratings können gravierend sein. Im besten Fall sind Bestellungen beim Versandhändler nur noch per Nachnahme möglich. Oder es gibt die Nullfinanzierung beim Elektronikhändler nicht. Im schlimmsten Fall drohen saftige Zinsaufschläge bei Krediten von mehreren Prozentpunkten oder Verbraucher bekommen gar kein Geld geliehen. Gerade bei Hypotheken kann ein schlechter Ruf rasch mehrere tausend Euro kosten. So gelten die veröffentlichten Konditionen der Institute ausschließlich für Kunden mit einem 1A-Rating. Wer bei der Schufa einen Wert unter 100 hat, kommt nur in äußerst seltenen Fällen an die Top-Konditionen. 

Die Sache mit den Ratings ist nicht nur oft falsch, wie die Studie gezeigt hat, sie ist auch äußerst intransparent. „Selbst wer sein Rating kennt, weiß nicht, wie es zustande gekommen ist“, sagt Birgit Höltge von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Die Auskunfteien sammeln in ihrer Datenwut alles, was möglicherweise Rückschlüsse auf das Zahlungsverhalten zulässt und seien es rotgeringelte Socken.“

Die Undurchsichtigkeit des Ratings zeigt auch eine Untersuchung des Verbraucherportals Biallo unter vier Instituten. Der gleiche Tester mit dem Schufa-Rating 98,7 erhielt von den Banken völlig unterschiedliche Aufschläge auf die Top-Konditionen. Der Anbieter, der zunächst am günstigsten erschien, stellte sich im Nachhinein als der teuerste heraus. 

Für die Auskunfteien stellt die Zusammensetzung des Scoringwertes ein Geschäftsgeheimnis dar wie für Coca Cola die Brauserezeptur. Für mehr Klarheit im Scoring-Geschäft soll eine Reform des Bundesdatenschutzgesetzes sorgen. Damit hat jeder das Recht, seinen tagesaktuellen Scorewert zu erfahren. Außerdem müssen die Auskunfteien erklären, wie dieser Wert entstanden ist und auf welchen Daten er beruht. Einmal im Kalenderjahr müssen sie diese Auskunft kostenlos in schriftlicher Form erteilen. 

Das neue Gesetz tritt erst im April 2010 in Kraft. Ministerin Aigner forderte die Auskunfteien gestern schon auf, die wichtigsten Punkte umzusetzen. Besonders kritisierte sie das Geoscoring, das ab kommendem April nicht mehr zulässig ist. Beim Geoscoring entscheiden die Auskunfteien über die Bonität eines Menschen anhand seines Namens und seines Wohnortes.

Verbraucherschützerin Höltgen bewertet das neue Gesetz positiv. Allerdings sei die Vorschrift bereits stark verwässert worden. „Verbraucher werden auch in Zukunft nicht wissen, wie genau ihr Rating entsteht und wie sie folglich ihren finanziellen Ruf verbessern können.“

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