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Dieter Bohlen hat eine neue singende Marionette: Daniel Schuhmacher. Nie war ein Finale langweiliger, nie wirkten Moderator, Finalisten und Jury austauschbarer.

Lauscht man der Hintergrundmusik und den Ankündigungen des Moderators Marco Schreyl, könnte man meinen, es ereigne sich dort gerade Weltgeschichte. Daniel Schuhmacher und Sarah Kreuz schweben von der Decke hinunter in das Finale von Deutschland sucht den Superstar (DSDS). "Die emotionalste, spannendste Show im Fernsehjahr 2009", erklärt der Moderator.

Deutschland sei wieder ein geteiltes Land, so wichtig sei die Entscheidung. Eigentlich aber war es ein Finale einer drittklassigen Casting-Fernsehshow. Nie waren der Moderator, die Kandidaten und die Jury so langweilig, unbedeutend und austauschbar. Daniel gewinnt mit knappen Vorsprung vor Sarah - und es lässt einen völlig kalt.

Nicht nur die Show ist absolut übertrieben, zieht sich ewig hin und ist nicht gerade als Höhepunkt zu beschreiben. Weder "im Fernsehjahr 2009", noch für die Show selbst.

Auch die Finalisten passen da hinein. Beide Kandidaten haben zwar eine schöne Stimme, werden aber wie die meisten Produkte dieser Shows nicht lange am Sternenhimmel leuchten.
"Wiedererkennungswert" habe die Stimme Daniels, sagt Bohlen. Dabei ist so offensichtlicher, dass weder in Sarah noch in Daniel. Potential zu einer langen Weltkarriere steckt. Sie gewinnen bloß, weil sie am besten in ein Konzept passen und sich am besten fügen. Die produzierten Persönlichkeiten der Kandidaten dienen lediglich zur kurzfristigen Unterhaltung.

Daniel ist gefühlvoll, schüchtern, wurde früher in der Schule gemobbt und geschlagen und zeigt es nun allen, die ihn so unterschätzt haben. Sarah ist die Hartz-IV-Empfängerin ohne Schulabschluss, die endlich an sich glaubt, eine Zukunft haben will und zur (Möchtegernn-)Diva aufsteigt.

Das Publikum soll sich identifizieren und für 50 Cent pro Anruf und SMS kräftig teilhaben an diesem besonderen Ereignis. Ob das Publikum entscheidet, ist aber letztlich irrelevant, denn RTL und Dieter Bohlen wissen genau, wie sie die Kandidaten zu präsentieren haben. Wer hier gewinnt hat es geschafft, heißt es. Aber auch die anderen Kandidaten werden ihren Weg machen, denn sie sind ja so wundervoll, wie alle Juroren rührselig bekräftigen.

Volker Neumüller bezeichnet die Stimme von Sarah Kreuz als "Lebensversicherung für deine Karriere". Wer jedoch auf längere Sicht übrig bleibt aus dieser Show sind nicht Gesangs-Talente, Super Stars und rührende Schicksale, was diese Show produziert ist Plastik-Fernsehunterhaltung und Werbeverträge für Dieter Bohlen. Diesen Zweck erfüllt die Staffel und das Finale eindeutig. Dass Daniel Schuhmacher die Show gewinnt, ist dabei völlig irrelevant, denn eigentlich gewinnt sowieso nur Dieter Bohlen und all seine Handlanger. Die Kandidaten sind auf Grund dieses puren kurzfristig angelegten Unterhaltungscharakters der Show zum Scheitern verdammt.

Der letzte der drei vorgetragenen Titel der beiden Finalisten "Anything but love" wird die erste Single des Gewinners der Show sein, ein von, wer hätte das gedacht, Dieter Bohlen höchst persönlich produzierter, gecoverter Song. Man hört diesen Titel an diesem Abend so oft, dass er schon vor seiner Veröffentlichung nervt. Ein kleiner Vorgeschmack auf die absehbare Karriere des neuen Bohlen-Songs samt seiner singenden Marionette Daniel Schuhmacher.

Der "Pop-Titan" , wie er hier ständig bezeichnet wird, strotzt mal wieder vor Arroganz und Selbstüberschätzung. "Weltklasse", wie Bohlen seine eigenen Produkte beschreibt, ist hier nichts und niemand. Weder die Show, die Kandidaten, die Jury, noch der Song, den man auch zum Beispiel als fetzige Jazz-Nummer oder coole Soul-Balade mit charakteristischen Musikern hätte produzieren können.

Statt dessen werden hier die Kandidaten, die Bühne und die Jury in weiß gekleidet und engelsgleich präsentiert. Sarah schreit sich die Seele aus dem Leib; Daniel heult. Dieser Song ist einer der schnulzigsten, schleimigsten und vergänglichsten Songs der Welt. Weltklasse? Das bedeutet in diesem Fall zwei Wochen mediale Aufmerksamkeit plus Auftritte bei Raab und Co.

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