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Deutschland und China wollen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise eng zusammenarbeiten und trotz der weltweiten Rezession ihre Handelsbeziehungen ausbauen.

Beide Länder hätten als die führenden Exportnationen ähnliche Interessen und lehnten jede Form von Protektionismus ab, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in Berlin.

Wen kündigte an, China wolle trotz rückläufiger Wachstumsraten 2009 sein Handelsvolumen mit Deutschland auf dem Niveau des Vorjahres von rund 115 Milliarden US-Dollar halten. Dies sei mehr als ein Viertel des chinesisch-europäischen Handelsvolumens, sagte Wen. Nach der Rückkehr von seiner Europa-Reise wole man in Deutschland gezielt nach Produkten und Technologien Ausschau halten.

Die Krise als Chance nutzen

Gerade in der Krise sollten die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern ausgebaut werden, sagte Merkel. Gute Chancen in China bestünden für deutsche Unternehmen vor allem bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, auch im Umwelt- und Klimaschutz sowie bei erneuerbaren Energien. Wen forderte deutsche Unternehmen zu Investitionen in ganz China auf.

Zahlreiche Abkommen abgeschlossen

Regierungsvertreter und Unternehmensmanager beider Seiten unterzeichneten anlässlich Wens dritten Deutschland-Besuches mehr als ein Dutzend Abkommen. So wird auch die Arbeit am deutschen Transrapid in China weitergehen. Eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben Siemens und der Baukonzern Max Bögl mit chinesischen Partnern. Zuvor wollte bereits der ThyssenKrupp-Konzern China die lange erhoffte Zustimmung zur Verlängerung der Transrapid-Strecke in Schanghais schmackhaft machen: Er warb mit einer stärkeren Einbindung der Chinesen in das Projekt. Über die künftige Zusammenarbeit auf den Gebieten Magnetschwebe- und Schienentechnik wurden jedoch bisher keine Details bekannt.

Der Autobauer Daimler unterzeichnete mit seinem chinesischen Partner Beiqi Foton ein Kooperationsabkommen zum Bau eines gemeinsamen Lkw-Werks in China. Der chinesische Baumaschinenhersteller Sany Heavy Industry will in der Nähe von Köln in einer neuen Fabrik mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen. Mit rund 100 Millionen Euro zählt das Vorhaben zu den größten chinesischen Investitionen in Europa.

Zusammenarbeit in Fragen der Weltwirtschaft

Weiter vereinbart wurde, dass zur Förderung des bilateralen Handels die Reisemöglichkeiten erleichtert und der Schutz geistigen Eigentums gewährleistet werden soll. Auch will man gemeinsam beim G20-Gipfel in London Anfang April auf konkrete Ergebnisse dringen. Die meisten Probleme der Weltwirtschaft seien nur in größerem Rahmen unter Einbeziehung von Schwellenländern wie China zu lösen, sagte Merkel.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise drängte bei den Gesprächen andere Themen wie Menschenrechtsfragen und den Streit um Tibet in den Hintergrund.

 

China will Konjunkturpaket noch erweitern

Wen kündigte zudem an, dass der chinesische Staat sein Konjunkturpaket weiter verbessern werde.  Die Regierung in Peking hatte bereits ein Konjunkturprogramm in Höhe von 585,7 Milliarden Dollar (443 Milliarden Euro) angekündigt. Das Geld soll bis 2010 unter anderem in den Ausbau der Infrastruktur und in Sozialprojekte gepumpt werden. Viele deutsche Firmen hoffen dabei auf Aufträge.

Das deutsch-chinesische Verhältnis war nach einem Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt im September 2007 gestört. Peking reagierte auf das Treffen verstimmt und fror die Regierungskontakte ein. Diese kamen erst nach und nach wieder in Gang. Der Besuch Wens wurde auch als Zeichen der Normalisierung der deutsch-chinesischen Beziehungen gewertet.

 

 

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