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Stimmen die Arbeitslosenzahlen?

 

Laut Statistik sind im Mai 3,28 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet gewesen. Doch viele Menschen ohne Arbeitsplatz tauchen in der Statistik trotzdem nicht auf. Warum ist das so? tagesschau.de hat Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wird bei der Arbeitslosenstatistik getrickst?


Ja und Nein. Nein, denn wie für jede Statistik muss auch für die Arbeitslosenstatistik definiert werden, was sie genau umfassen soll. Zum Beispiel die Festlegung, wer als arbeitslos gilt. Ja, denn die Politik hat immer wieder solche Festlegungen benutzt, um die Arbeitslosenzahl zu verändern - fast immer nach unten. Eine Ausnahme war die Hartz-IV-Reform. Durch sie kamen die erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger mit in die Statistik. Die erhöhte sich damit um rund 300.000 Arbeitslose.

 

Wer gilt als arbeitslos?

Wer Arbeit sucht, kein Rentner ist, nicht mehr als 15 Stunden wöchentlich arbeitet, dem Arbeitsmarkt auch zur Verfügung steht und sich auch arbeitslos gemeldet hat.

Wer gilt nicht als arbeitslos, auch wenn er keine Arbeit hat?

Zum Beispiel Schüler, Studenten, Rentner und Arbeitslose, die nicht arbeiten können, weil sie kleine Kinder haben oder krank sind. Außerdem viele ältere Arbeitslose - das ist die so genannte 58er Regelung. Dazu kommen alle Arbeitslosen, die an "Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik" teilnehmen.

Was ist die 58er Regelung?

Arbeitslose, die über 58 Jahre alt sind, können Arbeitslosengeld erhalten, auch wenn Sie keine Arbeit mehr aufnehmen wollen. In der Statistik tauchten sie bis Ende 2007 nicht auf, jetzt nur unter bestimmten Bedingungen. Die "Altfälle" bleiben bei der Statistik aber weiter außen vor.

Was sind die "Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik"?

Bildungs-, Förderungs- und Beschäftigungsmaßnahmen, die die Chancen von Arbeitslosen verbessern sollen. Zum Beispiel Weiterbildungskurse, aber auch finanzielle Unterstützungen wie der Existenzgründungszuschuss oder Vermittlungsgutscheine. Ein Beispiel für die Beschäftigungsmaßnahmen sind die Ein-Euro-Jobs. Alle Arbeitslosen, die in diesen Bereichen "untergebracht" sind, zählen nicht in die Arbeitslosenstatistik. 

Wie viele Arbeitslose fallen aus der Statistik heraus?

Nach Angaben der Arbeitsagentur für Arbeit waren das im April 2008 knapp über eine Million. Bei gut 3,4 Millionen "offiziellen" Arbeitslosen, lag die Zahl also in Wirklichkeit bei 4,4 Millionen. Den größten Anteil der "verschwundenen" Arbeitslosen dürften dabei die 58er-Regelung und die Ein-Euro-Jobs ausmachen. Im April gab es von den Ein-Euro-Jobs knapp 300.000.

Ist die Zahl endgültig oder gibt es darüber noch Streit?

Gibt es. Die "Stiftung Marktwirtschaft", nach eigenen Angaben ein "marktwirtschaftlicher think tank", sah die Zahl der versteckten Arbeitslosen im April bei knapp 1,4 Millionen. Abgesehen vom Auslegungs-Streit gibt es aber unbestritten noch eine weitere Gruppe, die nicht in den Arbeitsmarktberichten auftaucht - die so genannte stille Reserve: Menschen, die gerne arbeiten würden, sich aber nicht arbeitslos melden, etwa weil sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Ihre Zahl wird auf 600.000 bis 700.000 geschätzt.

Ist die Arbeitslosenstatistik also untauglich?

Nein. Wie bei den meisten Statistiken gilt: Der Trend ist das Interessante. Der wird abgebildet. Bürger, Statistiker und auch Journalisten hätten es aber einfacher, wenn sich die Statistik nicht ständig durch die den Ausschluss oder die Hereinnahme von bestimmten Gruppen ändert.

Ist die Statistik auch über die Jahrzehnte vergleichbar?

Mit Einschränkungen ja. Vor allem die Hartz-Reformen brachten allerdings viele Veränderungen und Erfassungsprobleme, die einen Vergleich nicht immer erlauben. Mehr dazu hier.

Ist die Arbeitsmarktstatistik international vergleichbar?

Nein. International nutzt man die Regeln der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Danach gilt zum Beispiel jemand nicht mehr als arbeitslos, wenn er nur eine Stunde in der Woche arbeitet. Auch die Datenerfassung ist anders, die ILO arbeitet mit Stichproben, die Arbeitsagentur mit den Daten der Jobcenter. Die Arbeitslosenquote nach ILO-Regeln wird aber ebenfalls ermittelt. Sie liegt immer etwas niedriger als nach der deutschen Statistik.

Zeigt die Statistik, ob Arbeitsmarktpolitik wirkt?

Nicht direkt. Detaillierte Auswertungen der Zahlen für einzelne Gruppen und Regionen sowie qualitative Untersuchungen zeigen aber, wo Arbeitsmarktpolitik wirkt und wo nicht. Ein Beispiel dafür ist die Auswertung der Hartz I-III-Reformen. Mehr dazu hier.

Welche Statistik ist noch wichtig?

Die Beschäftigungsstatistik: Wie viele Personen sind erwerbstätig? Deren Zahl (derzeit knapp 40 Millionen) im Verhältnis zur Arbeitslosenzahl ergibt nämlich die Arbeitslosenquote.

Weiß man wenigstens, wie viel offene Stellen es gibt?

Nein. Mehr dazu hier.

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