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Ein Gentest soll den Jahrhundertstreit über die Gebeine des Dichters jetzt endlich beantworten.

Auf dem alten Friedhof in Bonn wurden einst Friedrich Schillers Ehefrau Charlotte und ihr zweitältester Sohn Ernst begraben. So viel gilt als zweifelsfrei. Nun wurden deren sterbliche Überreste exhumiert, wie auch andernorts Schillers Schwestern. Dasselbe gestattete Weimar mit den Gebeinen, die als die Schillers gelten. Gentests sowie chemische und spektrografische Untersuchungen im Labor sollen klären, ob neben Goethe tatsächlich Schillers sterblicher Teil in der Weimarer Fürstengruft ruht.

Seit mehr als 150 Jahren schon wird über diese Frage gestritten. Das hängt mit einer Geschichte zusammen, die die Gemüter der Nachwelt zu erschüttern vermag: das Genie im Armengrab. Von Mozart kennt man das. Und auch von Schiller - wenngleich es da um ein Gewölbe für Mitglieder des Weimarer Hofes geht, die sich keine eigene Gruft leisten konnten. Das waren offensichtlich nicht wenige. Denn in dem Gewölbe hatten eigentlich nur 21 Särge Platz. Aber Schillers Sarg war bereits die Nr. 53. Deshalb gerieten die Gebeine und Schädel vermodernd durcheinander. Als 21 Jahre nach Schillers Tod Weimars Bürgermeister die Gruft aufräumen ließ, sortierte er 23 Schädel aus - und sprach den größten dem Dichter zu. Er wurde in einem Sarg in der Fürstengruft bestattet - neben dem Sarg, der Schädel Nr. 1 und Gebeine birgt, die die des Dichters sein sollen. Weil Zweifel blieben, grub man 1911 erneut und barg weitere 63 Schädel. Fortan galt die Nr. 34, die am besten zur Totenmaske passte, als Schillers Schädel. Dass Goethe seinerzeit Schillers Schädel ein Jahr lang in seinem Haus bewahrte, ist bekannt. Außer Humboldt, den er zum Schweigen verpflichtete, hat er das niemandem verraten. Doch Humboldt schrieb prompt seiner Frau, dass Schillers Schädel auf einem blausamtenen Kissen läge, und es sei ein gläsernes Gefäß darüber. Ob es wirklich Schillers Knochen sind, enthüllt heute um 22 Uhr der MDR.

 

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