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Am 2. Mail 1998 beschlossen die Regierungen der EU die Einführung des Euro.

Zehn Jahre später hat sich jeder zweite Deutsche noch nicht an die gemeinsame Währung gewöhnt – und rechnet noch in D-Mark. Ein Großteil fordert sogar die gute alte Mark zurück. Und Sie?

Jeder zweite Deutsche rechnet nach Schätzung von Psychologen die Preise noch von Euro in D-Mark um. Vor zehn Jahren beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs die Einführung des Euro, vor knapp sechseinhalb Jahren, am 1. Januar 2002, wurde der Euro als Bargeld eingeführt und dennoch ist die D-Mark für viele Bürger eine feste Größe.

„Gerade in Zeiten hoher Inflation sehnen sich die Menschen nach der D-Mark zurück“, sagt der Wirtschaftspsychologe Henning Haase von der Universität Frankfurt. „Die D-Mark ist in den Köpfen immer noch als stabile Währung verankert.“ Dabei habe es durchaus Phasen hoher Inflation gegeben. Derzeit liegt die Teuerungsrate in Deutschland bei 3,1 Prozent – in den 70er-Jahren stand zu D-Mark-Zeiten eine sieben vor dem Komma, Anfang der 90er-Jahre eine sechs.

Vor allem Ältere rechneten oft noch um, die Häufigkeit steige mit dem Alter. „Das gilt für alle, die 30 Jahre und älter sind. Bei den 50- bis 60-Jährigen ist es ein normaler Reflex, Preise mit zwei zu multiplizieren“, sagt Haase. Grund dafür sei, dass Ältere über Jahrzehnte einen Bezug zur D-Mark aufgebaut hätten. Als Kind und Jugendlicher verknüpfe man automatisch Produkt und Preis: die Kugel Eis, das Brötchen, das erste Auto.

„Mit dem Preis dafür ist man groß geworden und verbindet damit das Gefühl von teuer oder preiswert. Die D-Mark-Preise sind Ankerpunkte im eigenen Leben.“ Zudem sei die Umrechnung mal zwei sehr einfach und der Zwang, sich an den Euro zu gewöhnen, geringer als in anderen Ländern mit komplizierten Umrechnungszahlen.

Die D-Mark-Falle beim Umrechnen
Beim Umrechnen tappt man aber leicht in eine Falle. Das Tückische daran ist die Inflation. Alle Preise aus D-Mark-Zeiten sind auf dem Stand von 2001 eingefroren. „Die Menschen beziehen sich häufig auf Preise, die gar nicht mehr Realität sind“, sagt der Wirtschaftspsychologe. „Die Preise wären auch höher, wenn es die D-Mark noch gäbe.“

Auch der technologische Fortschritt werde häufig übersehen und führe zu Täuschungen. „Ein VW Käfer hat 1960 rund 5000 Mark gekostet. Der VW Golf kostet heute 25.000 Euro, also 50.000 Mark. Da sagen die Leute, der Preis für ein Auto habe sich verzehnfacht. An die Wertsteigerung denkt niemand.“ Dabei werde vergessen, dass der Golf größer und besser ausgestattet sei und man die beiden Autos gar nicht miteinander vergleichen könne.

Die Menschen rechneten vor allem bei größeren Anschaffungen wie Möbel oder Auto in D-Mark, um ein Gefühl für den Preis zu bekommen und ein sicheres Urteil fällen zu können. Solch größere Posten verteuerten sich nach der Euro-Einführung kaum - während häufig gekaufte Produkte des täglichen Bedarfs wie Kino-Karten, Friseurbesuche oder das Bier in der Kneipe übermäßig teurer wurden.

„Die Preisaufschläge bei häufig gekauften Produkten nehmen die Verbraucher stärker wahr - und dadurch entstand der Eindruck des Teuro“, erklärt Haase. Die Statistik konnte die Legende vom „Teuro“ dagegen nicht bestätigen. Das Vergessen der D-Mark in den Köpfen hält der Finanzpsychologe für eine Generationenfrage. „Endgültig nicht mehr umrechnen werden die nach 1990 Geborenen, die die D-Mark nicht mehr kennengelernt haben. Der Spuk wird 2080 vorüber sein.“

Jeder dritte Deutsche würde lieber mit D-Mark zahlen
Doch heute sieht es noch anders aus: Jeder dritte Deutsche will sogar lieber wieder mit der D-Mark bezahlen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) hervor. Demnach sprachen sich 34 Prozent der Befragten für eine Abschaffung des Euro und eine Wiedereinführung der D-Mark aus. Gegen die Rückkehr der alten Währung plädierten demnach 65 Prozent der Befragten.

Ein wesentlicher Grund für die weit verbreitete Ablehnung des Euro in Deutschland sei, dass er vielfach als „Teuro“ wahrgenommen werde, sagte der Geschäftsführende Vorstand des BdB, Manfred Weber, der „Berliner Zeitung“, die aus der Umfrage zitierte. Dieser zufolge machen 53 Prozent der Befragten die Gemeinschaftswährung direkt und hauptsächlich für die Preissteigerungen der letzten Jahre verantwortlich. 43 Prozent sehen dafür andere Gründe. Ein Großteil der Preissteigerungen gehe jedoch nicht auf den Euro zurück, sondern sei insbesondere durch die Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln bedingt, sagte Weber. 

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