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Jahrzehnte eingezahlt und am Ende der Hartz-IV-Regelsatz im Geldbeutel?

Die Rentner werden mehr, die Debatte nimmt an Schärfe zu. Die Reichen stärker belasten und mehr Geld für die Empfänger kleiner Renten, fordern die einen, die anderen warnen vor der Belastung der Jüngeren. Was ist realistisch in der Rentendebatte?

Zu viel Rücksicht der Politik auf die Rentner hat Altbundespräsident Roman Herzog jüngst beklagt – am Ende könnten "die Älteren die Jüngeren ausplündern". Manchem Rentner mit wenig Rente mag das wie Hohn vorgekommen sein. Denn im Ruhestand bleibt oft nur eine bescheidene Rente. Die durchschnittliche Altersrente für Männer betrug 2006 im Westen 969 Euro, im Osten 1050 Euro.

Höhe der Beiträge bestimmt die Altersrente

"Wer mehrere Jahrzehnte gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, muss eine Rente erhalten, die deutlich über der sozialen Grundsicherung liegt", fordert der SPD-Linke Ottmar Schreiner. Doch damit beginnen auch schon die Missverständnisse.

Für die Rente spielt die Dauer der Beitragszahlung eine untergeordnete Rolle. Es kommt auf die Höhe der Beiträge an. Je mehr man einzahlt, umso mehr Rente gibt es. Wer 45 Jahre lang Beiträge entrichtet und einen Durchschnittsverdienst hat - derzeit liegt der bei 2457 Euro - kommt so im Westen auf eine Rente von 1179 Euro brutto. Wer Teilzeit arbeitet oder beispielsweise nur 35 Jahre Durchschnittsverdienst aufzuweisen hat, erhält entsprechend deutlich weniger.

Merkel gegen neue Rentenformel

Der Vorstoß des nordrhein-westfälischen CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, die Rente für langjährig einzahlende Geringverdiener zu erhöhen, scheint verständlich. Zustimmung bekommt er da allerdings eher vom politischen Gegner als aus den eigenen Reihen.

Die Bundeskanzlerin wolle keinen Systemwechsel und keine neuen Rentenformeln, machte Regierungssprecher Thomas Steg deutlich. Zudem sei völlig unklar, wie eine Erhöhung der Renten für diesen Teil der Rentner zu finanzieren sei. 75 Milliarden Euro vom Bund für die Rente

In der Tat reichen schon seit Jahrzehnten die Beiträge der Arbeitenden für die Renten nicht aus. Rund 240 Milliarden Euro hat die Rentenversicherung 2007 ausgegeben. Fast 30 Prozent davon werden bereits jetzt über einen Bundeszuschuss finanziert. Rund 75 Milliarden Euro fließen jährlich aus dem Bundeshaushalt in die Rentenkasse – rund neun Milliarden übrigens davon aus der Ökosteuer.

Die Rente aus Steuermitteln - wie sie nach einer Infratest-dimap-Umfrage von den Deutschen mehrheitlich gewünscht wird - ist damit zum Teil bereits Realität. Ein Wechsel ganz zur steuerfinanzierten Rente hat dagegen kaum eine Chance auf eine Verwirklichung. Zwar fielen dann die Beitragszahlungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern weg. Etwa 170 Milliarden Euro müssten dafür allerdings über direkte oder indirekte Steuern wieder eingesammelt werden - ein Umbau des kompletten Steuer- und Sozialversicherungsystems wäre dafür nötig.

Auch die Forderung des Sozialverbandes VdK, den Riester-Faktor und den Nachhaltigkeitsfaktor wieder komplett abzuschaffen, der die demographische Entwicklung berücksichtigt, hat kaum Aussicht auf Erfolg. Steigende Beiträge zur Rentenversicherung oder eine weitere Absenkung des Rentenniveaus wären in den nächsten Jahren die Folge. Künftige Rentner haben es schwerer

Nicht deutlich unterschieden wird in der aktuellen Debatte häufig, ob es um die jetzige oder die künftige Rentnergeneration geht. Die derzeitigen Ruheständler sind größtenteils noch vergleichsweise gut versorgt. Besser gestellt waren nur noch Rentner in den 80er und 90er Jahren. Für die jetzt noch arbeitende Generationen wird es schwieriger, denn die lebenslange Vollzeitbeschäftigung wird immer seltener.

Zu Recht warnen DGB und Experten vor der Gefahr drohender Altersarmut. Arbeitslosigkeit und veränderte Lohnstrukturen werden die Renten sinken lassen. Für Arbeitslosengeld-II-Empfänger zahlt die Bundesanstalt für Arbeit gerade einmal 40 Euro monatlich an die Rentenversicherung. Ein Jahr in Hartz IV bringt da nur noch 2,19 Euro Rente. Auch wer sein Leben lang als Niedriglöhner arbeitet, verdient sich nur geringe Rentenansprüche. Gesetzliche Rente ist nur ein Teil der Alterssicherung

Die Bundesregierung verweist darauf, dass die gesetzliche Rente nur ein Teil der Alterssicherung ist. Betriebsrenten und die staatlich geförderte Zusatzvorsorge - etwa durch die Riesterrente - sollen das sinkende Versorgungsniveau durch die gesetzliche Rente ausgleichen.

Für eine zusätzliche Altersvorsorge reicht den Geringverdienern das Geld allerdings meist nicht. Die Inflation frisst zudem an der Kaufkraft der derzeitigen und wohl auch der zukünftigen Rentner. Bei geringen Rentenerhöhungen und gleichzeitig steigenden Kosten für Essen und Energie schrumpft das Budget.

Noch bekommen "nur" 2,3 Prozent der derzeit rund 16 Millionen Rentner die staatliche Grundsicherung, die in etwa dem Arbeitslosengeld II entspricht. Für die Zukunft rechnen die Experten mit deutlich mehr Alten, die auf Unterstützung durch die öffentliche Hand angewiesen sind. Der Rentenfrage kann die Politik also nicht ausweichen - die nächste Rentendebatte ist sicher.

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