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Politiker fordern, «Schönheitsoperationen» für Kindern und Jugendlichen zu untersagen

 

 

In der Politik und in Teilen der Ärzteschaft wächst der Unmut über Schönheitsoperationen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Jährlich lässt sich etwa eine Million Bundesbürger schönheitschirurgisch oder kosmetisch behandeln, das Spektrum reicht von Nasenkorrekturen und Piercings bis zu Tätowierungen. Zehn Prozent der Betroffenen sind jünger als 20. Ein Fünftel der Neun- bis 14-Jährigen wünscht sich, anders auszusehen.

Die Zahlen bieten CDU und SPD Anlass, Alarm zu schlagen. Bund und Länder sollten "kritisch" hinschauen und "Verbote von nicht medizinisch indizierten Schönheitsoperationen an Minderjährigen prüfen", heißt es in einer gemeinsamen Entschließung. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich "klipp und klar für ein Verbot solcher Eingriffe bei Minderjährigen" aus, wie etwa Brustvergrößerungen oder Absaugen von Fett bei 15-jährigen Mädchen. "Das ist grotesker Ausdruck eines verirrten Schönheitsideals per Skalpell", sagte Lauterbach der MZ. Medizinern, die nur aus kosmetischen Gründen Schönheitsoperationen an Minderjährigen vornähmen, warf der Abgeordnete ein "unethisches Verhalten" vor. Mit einem möglichen Operationsverbot müssten zugleich "harte Strafen" bei Zuwiderhandlungen gesetzlich verankert werden.

Bestärkt werden die Koalitionäre von Experten, die für die kommende Woche zu einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages geladen sind.

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte fordert den Gesetzgeber auf, "Piercing und Tätowierung von Minderjährigen grundsätzlich zu untersagen". Der Verband lehnt Operationen nur "zur Erfüllung des Strebens nach einem bestimmten Schönheitsideal" ab. Mit "großer Sorge" betrachten die Mediziner "zunehmende Eingriffe bereits bei Kindern unter zehn Jahren in teils dubiosen Studios" und oft sogar ohne Einwilligung der Eltern. Kritik kommt auch von der Verbraucherzentrale. Werbebeschränkungen sowie das ärztliche Standesrecht reichten längst nicht mehr aus, um Jugendliche "vor den oft trügerischen Verheißungen wunscherfüllender medizinischer Dienstleister zu schützen".

In Anbetracht zunehmender Folgeschäden müssten die "Anbieter solcher Leistungen" verpflichtet werden, eine umfassende Haftpflichtversicherung abzuschließen, so die Verbraucherschützer. Ähnliche Forderungen erheben auch Union und SPD in ihrem Antrag.

Die deutsche Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie betont dagegen, wie "dankbar" viele jugendliche Patienten seien. Auch eine Bochumer HNO-Fachklinik nimmt entsprechend Stellung: Die Nase etwa "als zentrale Struktur im Gesicht" sei für das Selbstbild von Jugendlichen "von erheblicher Bedeutung" - was den "häufig starken Wunsch nach Korrektur bei einer Fehlform" erkläre.

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