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Provider machen Ernst im Kampf gegen Werbemails.

 

 

Gesetze haben gegen Spam versagt. Nun handeln die Provider. Mails aus dubiosen Quellen werden immer rigoroser abgeblockt. Rechtlich sei das einwandfrei, sagen die Provider. Juristen widersprechen. Nur wenn der Kunde zustimmt, darf gefiltert werden.

Spam ist eine digitale Seuche, die man wie jedes Übel am besten an der Wurzel packt. Doch damit ist es nicht weit her. Die Spamversender und ihre Auftraggeber gehen ihrem Treiben beinahe unbehelligt nach - von einzelnen Erfolgen der Ermittlungsbehörden einmal abgesehen. So wurde kürzlich "Spam King" Robert Soloway erwischt, der Millionen Spams ins Internet gepustet hat. Dem 28-jährigen Amerikaner drohen 26 Jahre Haft.

Profitable Schattenwirtschaft

Erwischt und vor Gericht gebracht wurde auch ein Versender von unerwünschtem Werbemüll aus deutschen Landen. Der Schleswig-Holsteiner hatte über eine gefälschte Hotmail-Adresse Werbung für Sexseiten verschickt. Das Landgericht Freiburg verurteilte den Spammer zu einem Ordnungsgeld von 10.000 Euro.

Doch das sind Einzelfälle. Der Spamversand bleibt ein einträgliches Geschäft - eine lukrative Schattenwirtschaft, die im Verborgenen blüht. Ihre Akteure sind Profis. Sie kennen alle Tricks und wissen, wie man sich in den unendlichen Weiten des Internets so verstecken kann, dass Ermittlungen mit steter Regelmäßigkeit ins Leere laufen.

Die Spamlawine rollt weiterhin durchs Internet. Beim Internet- und Mailprovider T-Online gehen täglich rund eine Milliarde E-Mails ein. "Der weitaus größte Teil davon ist unerwünschter Werbemüll", sagt Unternehmenssprecher Frank Domagala im Gespräch mit heute.de. Lediglich 2,5 Prozent der auflaufenden E-Mail-Menge zählen zu den legitimen Mails, deren Empfang erwünscht sei. Der Rest wird bei T-Online aussortiert.
Schwarze Listen gegen Spam

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei anderen deutschen Mailprovidern. GMX, Web.de und 1&1 müssen zusammengenommen jeden Tag rund 730 Millionen E-Mails abarbeiten. So viele Nachrichten werden an die E-Mail-Server dieser drei Provider an einem ganz normalen Tag verschickt. Doch auch dort wird nicht jede E-Mail angenommen.

"60 bis 80 Prozent der Mails, die an uns gerichtet sind, werden bereits im Vorfeld abgeblockt", erklärt Leslie Romeo, Leiter der Maildienste Deutschland bei der United Internet AG, zu der die drei Mailprovider GMX, Web.de und 1&1 gehören. "Die Annahme dieser E-Mails wird verweigert. Sie gelangen gar nicht erst auf unsere Server."

Geblockt wird mit Hilfe sogenannter Blacklists. Das sind schwarze Listen mit gesperrten IP-Adressen von bekannten Spamversendern. "Grundsätzlich nehmen wir zum Beispiel keine Mails mehr an, die von privaten Rechnern mit einer dynamischen IP-Adresse stammen", erläutert Romeo auf Nachfrage von heute.de.
"Kein System arbeitet fehlerfrei"

Auf solchen meist privaten Rechnern ist nämlich in der Regel kein E-Mail-Server installiert. Verschicken diese Rechner trotzdem Mails, gehören sie - ohne Wissen ihrer Nutzer - meist einem kriminellen Botnetz an. Sie werden von Internetkriminellen ferngesteuert und dazu missbraucht, Spammails zu verschicken. Wer allerdings einen legitimen privaten E-Mail-Server in einem gesperrten IP-Adressbereich betreibt, hat das Nachsehen. Er bleibt auf seinen E-Mails sitzen. Sie werden von den großen Mailprovidern nicht mehr angenommen.

Mit Hilfe ständig aktualisierter schwarzer Listen von verdächtigen IP-Adressen wird auch anderswo geblockt - beim Mailservice von Yahoo Deutschland etwa oder bei T-Online. Nur jede zehnte Mail wird von T-Online angenommen. Der Rest wird mit einer Fehlermeldung an den Versender zurückgeschickt. Durch die Fehlermeldung werde sichergestellt, dass der Versender von der Zurückweisung seiner Mail erfährt, sagt T-Online. Die meisten anderen deutschen Mailprovider handeln ähnlich.

Und wenn sich unter den geblockten E-Mails doch eine legitime Mail verbirgt, ein termingebundenes Vertragsangebot etwa oder eine Mahnung? Das sei zwar äußerst selten, komme aber vor, geben die Provider zu. "Kein System arbeitet fehlerfrei", sagt Leslie Romeo. "Die Annahme von E-Mails unter Spam-Verdacht wird von uns offen und transparent abgelehnt. Der Versender kann sich an uns wenden und sich aus unserer schwarzen Liste streichen lassen." Rechtlich sei das alles einwandfrei.
Kunden müssen zustimmen

"Ohne vorherige Zustimmung des Nutzers (...) ist eine zentrale Blockade rechtlich problematisch", sagt dagegen Thomas Hoeren, Rechtsprofessor an der Uni Münster. Grundsätzlich seien Provider nämlich vertraglich verpflichtet, alle Mails - und damit auch Spam-Mails - zuzustellen. In einem jüngst erstellten Rechtsgutachten kommt der IT-Branchenverband eco zu einem ähnlichen Ergebnis. Das Abblocken von E-Mails aufgrund schwarzer Listen könne rechtlich problematisch sein, heißt es auch hier. "Denn der eine Adressat mag E-Mails einer bestimmten Firma für unerwünscht halten, für den anderen sind sie möglicherweise wichtige Kundenpost."

Die Lösung des Problems: Der Betreiber eines E-Mail-Dienstes sei gut beraten, "sich das vorherige ausdrückliche Einverständnis seiner Kunden in die jeweiligen Anti-Spam-Maßnahmen zu sichern", rät der eco-Verband. Das gelte im übrigen nicht nur für das Abblocken von E-Mails durch schwarze Listen, sondern auch für die Filterung jener Mails, die nicht geblockt, sondern von den Mailprovidern angenommen werden. Denn darunter befindet sich noch immer jede Menge Spam.
Spamfilter zur Mail-Mülltrennung

E-Mail-Provider wie GMX oder Yahoo Deutschland stellen ihren Kunden kostenlose Spamfilter für die Mail-Mülltrennung zur Verfügung. Der Nutzer kann die Filter nach seinen Vorstellungen "scharf" stellen. Bei T-Online muss man diesen Filter kostenpflichtig abonnieren.

Ob kostenpflichtig oder nicht - in beiden Fällen gilt laut Thomas Hoeren: "Einem Nutzer, der die zur Verfügung gestellten Konfigurationsmöglichkeiten nicht wahrnehmen möchte, müssen selbst Spam-Mails vom Provider zugestellt werden, will dieser sich nicht Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen oder gar strafrechtlichen Konsequenzen aussetzen." In keinem Fall darf der Provider empfangene E-Mails eigenmächtig löschen.

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