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Schulterlange Strähnen stehen in alle Richtungen oder hängen den männlichen Models frech ins Gesicht. Die Frauen schmücken akkurat modellierte blonde Locken oder sie tragen wilde, punkige Rotschöpfe. Auch bei den Männern ist Farbe angesagt: Blonde und rote Strähnen durchziehen ihre Haartracht.

Das deutsche Nationalteam setzt bei seinem Abschlusstraining in Darmstadt auf schrille Frisuren, die an die Sänger der Popgruppe Tokio Hotel erinnern.

Die Coiffeure zeigen wenige Tage vor der Friseur-Weltmeisterschaft in Chicago (1. bis 3. März) die Grenzen ihrer Fähigkeiten. „Die Coiffeur-WM ist vergleichbar mit der Formel-1. Es geht um die perfekte Technik“, sagt Joachim Wolf, Bundestrainer für das Damenfach. „Wir zeigen, was man mit Haaren machen kann.“ Die Frisuren seien genauso wenig für die Straße gedacht wie die Rennwagen. „Wir bereiten uns darauf vor, unsere Rivalen gezielt anzugreifen“, ergänzt sein Herrenfach-Kollege, Bundestrainer Karlheinz Koch.

Modefrisuren und klassische Haarschnitte

Die Konkurrenz für das 27-köpfige deutsche Team ist groß: Rund 1000 Teilnehmer aus 50 Nationen kämpfen in Chicago um die Titel in mehreren Kategorien. Nicht nur flippige Modefrisuren sind dabei gefragt, sondern auch klassische Haarschnitte, bei denen der kleinste Fehler sofort ins Auge fällt. Wolf rechnet mit Erfolgen: „Unsere Mannschaft besteht aus den besten Friseuren Deutschlands“, sagt er. Alle haben bereits Wettbewerbe auf Landes-, nationaler oder europäischer Ebene gewonnen. Die deutschen Coiffeure zählen sich sogar zur Weltspitze; und das nicht ohne Grund: Seit 1998 brachten sie bei jedem der zweijährlich stattfindenden Meisterschaften Titel nach Hause, vor allem bei den Damen-Frisuren. Bei der letzten WM vor zwei Jahren in Moskau wurde das Junioren-Damenfach-Team Weltmeister.

Zu den Weltmeistern von 2006 gehört Christin Zieger aus Konstanz. Die 22-Jährige wird in Chicago für das Senioren-Team frisieren, zu dem eigentlich nur über 25-Jährige gehören. „Schließlich muss man sich steigern“, sagt die Friseurmeisterin, die neben ihrem Job als Fachtrainerin in einer Konstanzer Friseurschule lehrt. Für das WM- Training opferte sie ihre Wochenenden. Edith Milchmeier aus Geisenfeld bei Ingolstadt hat auch wenig Freizeit. Ins Kino oder in die Disco geht sie kaum. „Jeden Abend übe ich drei Stunden“, berichtet die Friseurmeisterin. Beim Abschlusstraining in Darmstadt frisieren die Hair-Stylisten vier ganze Tage lang.

Am Montag fliegt das Team nach Chicago, um vor Ort noch ein paar Tage zu üben. „Wir müssen uns nicht nur an das Essen in den USA gewöhnen“, sagt Christin Zieger. In den Staaten sei das Wasser chlorhaltig, was sich auf die Farben auswirke. „Daran müssen wir uns anpassen.“ Für Sonja Fischer aus Diepersdorf bei Nürnberg sind die Farben besonders wichtig. „Das ist eine Kunst, bei der das Spiel mit Farben genauso wichtig ist wie das mit Formen“, sagt die Europameisterin im Herrenfach. „Es ist sozusagen eine Verbindung aus Malerei und Bildhauerei.“

 

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