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Mal ehrlich: Wer braucht noch Superstars? Es geht doch einfacher. Man nehme einen computeranimierten Hasen mit Kulleraugen, füge eine Quietsch-Stimme hinzu und sende das Ganze als Werbespot für Handy-Klingeltöne. Fertig ist die Nummer 1 der Charts. 

Gegen die Liedzeile des "Kuschelsongs" war Modern Talking Hochkultur. Und vielleicht ist der Computerhase ja der legitime Nachfolger der "Cheri, Cheri Lady". Doofheiten in der Popmusik gab es nämlich immer. Sie spülten Talente, Spinner, Trendsetter und manchmal sogar spätere Weltstars an die Spitze der Beliebtheit beim Publikum, ließen sie mehr oder weniger lange Zeit glänzen oder schon bald wieder abstürzen.

Hase folgt auf Crazy Frog

Beim Hasen aus dem Computer ist dies anders. Hier rühmt sich der "Jamba"-Konzern, der weltweit größte Anbieter von Handy-Schnick-Schnack, nämlich Klingeltönen, Wallpapers, Spielen und Freizeichen, einer "hauseigenen Kreation", die nichts anderes, als ein echtes Reißbrettprodukt ist. Es reiht sich ein in die Kette solcher Elaborate wie "der besoffene Elch" oder "der bekloppte Frosch". 2005 sorgte der "Crazy Frog" in England für Furore. Das Motorrad fahrende Amphibium verdrängte damals die Edelpopper von Coldplay von Platz 1 der Hitparaden und wurde der erste Klingelton der Welt, der es an die Spitze der Verkaufscharts geschafft hatte.

 

Ein zweifelhafter Meilenstein für die Musikindustrie, ein Megaerfolg aber für den "Jamba"-Konzern, der in Großbritannien als "Jamster" firmiert. Mit dem im Fernsehen massiv beworbenen Frosch nämlich verkaufte das Unternehmen die Abonnements für weitere Handy-Dienstleistungen gleich mit und machte kräftig Kasse. Viele der Kinder und Jugendlichen wurden plötzlich zu Kunden - ohne genaue Ahnung, dass sie mit dem Herunterladen des Frosches einen Zugang zu ihrem Geldbeutel gelegt hatten.


Ob auf der Telefonrechnung oder und schwieriger nachzuvollziehen über die Handy-Prepaid-Karte. In 338 Fällen, so berichtet Wikipedia, sollen Schadenersatzansprüche zugesprochen worden sein, da die Hinweise auf die Abos in der britischen Fernsehwerbung zu klein und zu kurz auftauchten. Auch in Deutschland gibt es Spielverderber, wie Verbraucherschützer und Medienkontrolleure, die "Jamba" immer wieder im Visier haben.
"Refinanzierung in Minuten"

Das Unternehmen hat inzwischen eine enorme Größe erreicht. Im Jahr 2000 von drei Brüdern gegründet, beschäftigt der Konzern heute 600 Mitarbeiter. Australiens Medienmogul Rupert Murdoch kaufte sich bereits ein und verknüpft "Jamba" mit seinen Internetplattformen, wie MySpace.com. So ergeben sich ungeahnte Synergien, die der Dingeling-Anbieter clever nutzt. "Jeder Werbespot, den wir im deutschen Fernsehen schalten, refinanziert sich innerhalb von Minuten", sagte mir einmal ein "Jamba"-Mitarbeiter. Der Euro rollt also, sobald der "Kuschelhase" auf dem Bildschirm auftaucht.

Und er taucht auf - in massiver Aufdringlichkeit. Auf Musikkänälen, wie MTV und VIVA, vergeht tagsüber kaum ein Werbeblock ohne kreischbunte und extra hektisch geschnittene Klingeltonwerbung. Zwischendurch, wie zur Erholung, taucht dann der "Kuschelhase" auf, schaut treuherzig in die nächtliche Hemisphäre und quietscht sein Liedchen, das übrigens von einer studentischen Mitarbeiterin bei "Jamba" eingesungen worden sein soll. Soviel "Gefüüühl" lockt offenbar, verführt Kinder, Jugendliche und alle, die so etwas für Romantik halten.

Sehnsucht nach Putzigkeit? Vielleicht

Längst hat "Jamba" einen eigenen Fernsehkanal auf dem Satelliten Astra. Längst ist Nachschub in Planung, für die Mobiltelefone dieser Welt. Doch was sagt die neue Nummer 1 der deutschen Hitparaden über uns aus? Wenn Musik immer auch der Spiegel ihrer Zeit ist, dann kommt das Bedürfnis nach Nähe und "Kuschel"-Harmonie aus dem Computer wohl nicht ohne einen Blick in die Lebenswirklichkeit der Konsumenten aus.

"Jamba" kennt seine Kunden sehr gut und setzt zielgerichtet auf die Sehnsucht nach Romantik, Putzigkeit und Vergessen des Alltags - längst nicht nur bei Teenagern. Es wäre interessant, genauer zu erforschen, ob die mangelnde Teilhabe einzelner Schichten am Aufschwung, die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher und die Unübersichtlichkeit des Lebens in der gloablisierten Welt zum Kauf von computeranimierten Hasen-Klingeltönen führt. Oder nimmt man das Phänomen damit zu ernst? Vielleicht. Dieter Bohlen kann wohl einpa 

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