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Seit zwei Jahren kämpft die Politik um die Rettung des Euro. Bislang mit wenig Erfolg. Die Unternehmen werden nervös und bereiten sich schon auf das Schlimmste vor: Tui ändert alle Verträge, Rheinmetall setzt auf Geldquellen im Ausland und Siemens gründet vorsorglich eine eigene Bank.

Die Krise des Euro versetzt die deutsche Wirtschaft zunehmend in Alarmbereitschaft. Erste Konzerne spielen bereits konkrete Krisenszenarien durch, für den Fall, dass der Euro-Raum auseinanderbricht. Das erfuhr unsere Zeitung gestern bei einer Blitzumfrage. Zwar befürchtet noch niemand, dass es zum Schlimmsten kommt. Aber auf den Euro-Crash vorbereitet sein wollen fast alle der befragten Unternehmen.

Alles andere könnten ihre Aktionäre inzwischen auch als Fahrlässigkeit werten. Schließlich hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon vor WochenEU öffentlich über einen Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft spekuliert. Ein Austritt Griechenlands, Portugals oder Italiens würde die deutsche Export-Wirtschaft hart treffen. Völlig ungewiss wären etwa die Auswirkungen auf Verträge und Kreditvereinbarungen in diesen Staaten. Und da "Währungs-Dissidenten" den Euro gegen deutlich schwächere Landeswährungen tauschen müssten, würde auch der Export in solche Länder zusammenbrechen: Die Preise für deutsche Produkte würden dort über Nacht explodieren. Die Auswirkungen auf die Bankenlandschaft – und damit auf die Refinanzierung der deutschen Wirtschaft – gelten als gänzlich unkalkulierbar.

Der Tourismuskonzern Tui hat deshalb bereits sämtliche Griechenland-Verträge geändert. Im Fall einer Rückkehr zur Drachme wollen die Deutschen nur noch in der günstigeren Währung bezahlen. "Das ist auch im Sinn der Urlauber", sagt ein Tui-Sprecher. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall sagt: "Wir planen nicht mit dem Ende des Euro, wären aber darauf vorbereitet". Die Bankgeschäfte würden derzeit "eng aktualisiert", außerdem habe Rheinmetall dafür gesorgt, "dass wir ausreichende Möglichkeiten der Refinanzierung auch über vertraute Bankverbindungen im Ausland haben."

Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel will sich zu dem Thema öffentlich nicht äußern. Intern wurde das Szenario aber offenbar gerechnet: Mit einem Umsatz-Anteil von 45 Prozent in Wachstumsregionen außerhalb des Euro-Raumes käme Henkel bei einem Euro-Crash glimpflich davon. Außerdem würde dem Unternehmen helfen, dass es traditionell in der Nähe seiner Kundschaft produziert, Währungsturbulenzen also parallel die Einkaufs- wie die Verkaufsseite beträfen. Das Unternehmen hofft auf ein Nullsummen-Spiel. Die Rohstoffe im Einkauf wiederum werden überwiegend in Dollar verrechnet. Drei Gründe, mit denen Henkel sich derzeit beruhigt. Nur der Düsseldorfer Handelsriese Metro sagte gestern auf Anfrage: "Wir bereiten kein Krisenszenario vor".

Stellvertretend für die Banken sagte deren Bundesverband: "Wir erhöhen unser Eigenkapital und wägen Risiken besser ab." Genauer in die Karten sehen lassen wollte sich auch Volkswagen nicht: "Wir beobachten sehr genau, was derzeit auf den Märkten passiert", vermied ein Sprecher genaue Angaben.

Volkswagen hat gut reden: Der Konzern besitzt seit 1949 eine eigene Bank, die notfalls auch die Refinanzierung des Konzerns sichern könnte. Der unternehmensähnliche Einkaufsverbund deutscher Eisenhändler E/D/E mit Sitz in Wuppertal zieht nach: In wenigen Wochen gehen die Mittelständler ebenfalls mit einer eigenen Bank an den Markt.

Siemens baute sich einen solchen Airbag schon Ende 2010 und kann seither ohne Umwege über eine eigene Bank Geld bei der EZB anlegen. Angeblich hat Siemens dort schon über vier Milliarden Euro in Sicherheit gebracht.

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