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Kritiker verurteilen den Integrations-Preis an den Rapper Bushido. Pop-Duo Rosenstolz ist empört. Viele Galagäste verweigern Applaus.

Bushido sorgte für die Kritik, Teenieschwarm Justin Bieber und Pop-Ikone Lady Gaga für das Kreischen: Promi-Andrang auf dem roten Teppich gestern Abend zur 63. Bambi-Gala in Wiesbaden. "Justin, ich will ein Kind von dir!", schallte es dem 17 Jahre alten Popstar aus Kanada entgegen, als er vor der Rhein-Main-Halle aus der Limousine stieg. Bieber winkte den jubelnden Fans zu. "Ich freue mich, dass so viele Menschen hier meine Musik mögen", sagte er.

Doch im Mittelpunkt der Show, die live in der ARD übertragen wurde, stand der Bambi für Skandal-Rapper Bushido, 33. Der Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers, in Bonn geboren, wurde mit dem Integrations-Bambi ausgezeichnet. Viele der rund 900 Gäste im Saal verweigerten dem Musiker den Applaus. Die Gruppe Rosenstolz, die einen Bambi für ihr Comeback erhielt, sorgte für einen kleinen Eklat und zeigte offen ihre Empörung auf der Bühne. "Es ist sehr wichtig, dass wir uns Chancen geben", sagte der homosexuelle Songschreiber Peter Plate. "Aber jemanden, der frauenfeindliche, menschenverachtende Texte gesungen hat: So einen Musiker auszuzeichnen, finde ich nicht korrekt." Dafür brandete Beifall in der Halle auf.

Bushido wehrte sich in seiner Dankesrede: "Ich werde heute sicherlich nicht mehr das sagen, was ich vor zehn Jahren gesagt habe", so der 33-Jährige. "Und ich habe gelernt, dass das, was ich gesagt habe, falsch war." Sein Laudator Peter Maffay, 62, betonte: "Ein Preis kann Versöhnung und Neubeginn sein." Bushidos Bambi als "Vorbild für Integration" sei deshalb ein "besonders wertvoller Bambi".

Schon im Vorfeld hatte es Wirbel um die Ehrung gegeben. Die Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes wirft Bushido vor, er äußere sich in seinen Liedtexten gewaltverherrlichend und menschenverachtend gegenüber Frauen. So heißt es in einem Song: "Dein Silikon gehört mir und meiner Crew, du willst von uns, dass wir dich auf Händen tragen? Mit der Rechten werd ich wichsen, mit der Linken dich schlagen ..."

"Bushido ist ein geistiger Brandstifter mit einem archaischen Männlichkeitsbild", sagte Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg. Grünen-Chefin Claudia Roth, 56: "Bushido ist sicher kein Beispiel für gelungene Integration, sondern eine Kunstfigur, die auf dem Rücken von Minderheiten große Kasse macht. Dass er dabei Frauen nur als 'Schlampen' bezeichnet und Botschaften wie 'Schwuchteln verkloppen' rappt, scheint den Burda-Verlag nicht zu stören." Auch im Internet regte sich Widerstand: Die Facebook-Seite "Kein Bambi für Bushido" hatte zuletzt mehr als 7000 Anhänger. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien warnt vor dem "Porno-Rapp" des Sängers. Er senke die Hemmschwelle bei Jugendlichen.

Der Verlag sieht das erheblich naders. Er leiste "einen wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln", begründete Burda den Preis. Bushido sei nicht nur ein "Gesprächspartner und Ratgeber für Politiker", er sei auch ein "Beispiel für gelungene Integration".

Die anderen Bambi-Preisträger waren weniger umstritten, allen voran Teeniestar Justin Bieber und Lady Gaga, 25, die je eines der berühmten goldenen Rehkitze bekamen. Auch Vertreter der älteren Generation wurden geehrt: Der 92 Jahre alte Helmut Schmidt bekam einen Millennium-Bambi für sein "unermüdliches Einmischen" in große gesellschaftliche Themen. Die Zuschauer feierten den Altkanzler mit Standing Ovations. Die 80 Jahre alte Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Thomas Gottschalk, 61, konnte das Kitz rund drei Wochen vor seiner Abschiedssendung für die "Wetten, dass ..?"-Show auf Mallorca mit nach Hause nehmen. Er kündigte an, dass er die Trophäe bei seiner letzten Sendung unter den Mitarbeitern seiner "Wetten, dass ..?"-Crew verlosen will. "Ich hab ihm gesagt, er ist 'ne coole Sau. Und das ist er auch" , sagte Laudatorin Cindy aus Marzahn. Hollywood-Glanz brachte Gwyneth Paltrow, 39, in die abendliche ARD-Show. Sie bekam die Trophäe in der Kategorie "Film international". "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel: Die US-Schauspielerin sei "der höchst sympathische Gegenentwurf zur launischen Diva".

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