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So groß sind die Unterschiede in der Arbeitswelt heute. Während es vor 50 Jahren noch viele einfache Stellen gab, auf die man mit etwas Einarbeitung kommen konnte, hat die Spezialisierung seither ständig zugenommen. Die Aufgaben wurden anspruchsvoller, die ganze Arbeitswelt hat sich immer weiter ausdifferenziert. Deshalb verrät eine Durchschnittszahl wie die Arbeitslosenquote heute weniger über die Chancen des Einzelnen als je zuvor.

Selbst innerhalb eines Berufsfeldes bestehen oft gewaltige Unterschiede. Das hat Frank Walther* festgestellt. Er setzt sich jeden Tag in seiner kleinen Wohnung in Frankfurt an den Computer und besucht die Internet-Stellenbörsen StepStone und jobpilot. Dort klickt er in den Bereich »IT/Telekommunikation« und durchkämmt die Angebote. Es wimmelt darin von schwer verständlichen Fachbegriffen: »Microsoft Hyper-V« zum Beispiel. »Oracle 10g« oder »CAS Genesis World«. Kaum ein Angebot, das nicht ein langes Anforderungsprofil voller Spezialkenntnisse enthielte. Gesucht wird nicht irgendein Computermensch, sondern der Experte für die »Virtualisierungsumgebung VMware vSphere«.

»Wahrscheinlich klagen Unternehmen über zu wenige Fachkräfte, wenn sie keine Leute mit dem genau passenden Profil finden«, vermutet Walther. »In meinem Bereich gibt es jedenfalls eher zu viele Bewerber.« Der 48-Jährige will als Systemadministrator im Bereich der Windows-Programme arbeiten. Er hat eine abgeschlossene Berufsausbildung als Betriebsinformatiker und eine Reihe von Zertifikaten des Windows-Herstellers Microsoft. Bloß Hyper-V, das ist noch mal etwas anderes.

Walther bemüht sich, sein Know-how frisch zu halten. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Buch zum Selbststudium. Zuletzt hat er im April auf eigene Kosten eine Prüfung für ein Zertifikat abgelegt. Genützt hat ihm das bisher nichts.

In Walthers Fall kommt hinzu: Sein Lebenslauf ist nicht ohne Ecken und Kanten. Ein Informatikstudium hat er abgebrochen, immer wieder taucht der Begriff »arbeitssuchend« in seinem Lebenslauf auf. Seine beiden besten Jahre mit IT-Berufserfahrung endeten, als die Dotcom-Blase vor zehn Jahren platzte. Inzwischen ist für ihn die Arbeitslosigkeit selbst zum Handicap geworden. Arbeitgeber wüssten nicht, wie sie ihn einschätzen sollten, sagt Walther. »Das ist ein großes Problem, weil es sehr, sehr teuer werden kann, wenn ein Netzwerkadministrator einen Fehler macht.« Walther steckt in einer Sackgasse.

Was hilft qualifizierten Arbeitslosen? Oft ist individuelle Beratung nötig – etwa um Frank Walther den Weg in eine weniger schwierige IT-Nische zu öffnen. Manchmal braucht es Glück. Hans Baumann hat vergangene Woche eine neue Stelle angetreten. Er prüft jetzt in Friedrichshafen Konstruktionspläne für eine Förderanlage. Es ist nur eine Zeitarbeitsstelle, und der Auftrag könnte im Mai beendet sein. Aber immerhin ist es ein Job. Viele würden sich auch einfach über mehr Verständnis freuen. Gibt es wenig Arbeitslose, ist es besonders hart, wenn man dazugehört und als Bewerber Schwächen hat. Aber wer von den 41 Millionen Erwerbstätigen hat die nicht?

* Name geändert

 

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