Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Hausputz bei Google: Ein neuer Suchalgorithmus sollte Googles Suchergebnislisten von "schlechten" Seiten säubern. Nun zeigt sich: Auch etliche "gute" Seiten werden abgewertet. Kritiker fordern eine demokratische Kontrolle der geheimen Suchformeln.

Suchmaschinenprimus Google leidet unter Spam. Webseiten mit minderwertigen Inhalten verstopfen seine Trefferlisten. Diese Seiten werden von ihren Betreibern so manipuliert, dass sie weit oben auf Googles Suchergebnislisten landen. Der Nutzer hat das Nachsehen. Er muss sich durch Trefferlisten klicken, die mit Spam verstopft sind. Gezieltes Suchen und Finden sieht anders aus.

Gute Seiten - schlechte Seiten 

Ende Februar zog Google die Notbremse. Der Ranking-Algorithmus, also die mathematische Formel, nach der Google die Reihenfolge der Suchtreffer festlegt, wurde überarbeitet. Der neue Algorithmus soll "gute" von "schlechten" Webseiten trennen. Er soll dafür sorgen, dass Webseiten mit höherwertigen Inhalten künftig besser zu finden sind. Qualitativ minderwertige Seiten sollen auf den Trefferlisten nur noch unter "ferner liefen" verzeichnet sein.

Die Einstufung von Webseiten sei ein schwieriges Problem, erklärte Google-Mitarbeiter Amit Singhal kürzlich gegenüber dem US-Magazin Wired. Singhal ist bei Google für die Qualität der Suchergebnisse zuständig. Man habe einen Fragenkatalog erstellt, der bei der Einstufung von Webseiten helfen sollte. Webseitentester haben solche Seiten dann geprüft. 

Auch gute Seiten werden abgewertet

"Wir haben unseren Qualitätstestern (...) Fragen gestellt wie zum Beispiel 'Würdet ihr dieser Seite eure Kreditkartendaten anvertrauen?' oder 'Würdet ihr Medikamente, die auf dieser Seite empfohlen werden, euren Kindern geben?'", sagte Singhal. Die Antworten wurden benutzt, um Kriterien zu entwickeln, die generell auf minderwertige Webseiten hindeuten.

Die Kriterien wurden in mathematische Formeln gegossen und dem Suchalgorithmus hinzugefügt. Singhal ist mit dem Ergebnis zufrieden. Der neue Algorithmus werte Seiten ab, die Artikel lediglich kopierten und sich auch sonst als "wenig wertvoll" erwiesen hätten. Unabhängige Messungen kommen allerdings zu anderen Ergebnissen. 

Tatsächlich würden viele Seiten mit Billiginhalten nun schlechter gelistet, heißt es im Blog der deutschen Firma Sistrix, die die Auswirkungen der Google-Reform untersucht hat. Betroffen sind aber auch hochwertige Seiten wie das "British Medical Journal" sowie kleinere Blogs. Sie werden schlechter gelistet, während manche Billigportale gar nicht betroffen sind. 

Algorithmus ist Betriebsgeheimnis

Solche Sachverhalte sind Wasser auf die Mühlen der Google-Kritiker. Zeigen sie doch, welche Macht in den Algorithmen der Suchmaschine steckt. Es sei nicht hinnehmbar, dass Webseiten bei Google ohne ersichtlichen Grund plötzlich nicht mehr erscheinen, meint Suchmaschinenexperte Wolfgang Sander-Beuermann von der Leibnitz Universität Hannover. "Die Betreiber der Gelben Seiten dürfen ja auch nicht einfach Firmen verschwinden lassen."

Google hält den neuen Ranking-Algorithmus als Betriebsgeheimnis unter Verschluss. Das sei auch prinzipiell in Ordnung, so Sander-Beuermann zu heute.de. Wäre der Algorithmus bekannt, könnte jeder seine Webseiten "nach oben mogeln". Anders sei die Lage aber dann, wenn eine Suchmaschine den Markt dominiere und somit letztlich entscheide, welche Seiten gefunden werden können, welche nicht. Google besitzt hierzulande einen Marktanteil von über 90 Prozent. 

Stichprobenartige Kontrollen gefordert

Sander-Beuermann setzt sich deshalb für eine öffentliche Kontrolle des Ranking-Algorithmus ein. "Eine erste Maßnahme könnte es sein, demokratisch legitimierten Kontrollgremien generell die Möglichkeit einzuräumen, stichprobenartig Ranking-Algorithmen auf Manipulationen zu überprüfen", meint der Experte.

Dass diese Forderung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Verfahren, das bei der Brüsseler EU-Kommission zurzeit gegen Google läuft. Die Kommission prüft, ob Google seine Trefferlisten zugunsten eigener Webangebote manipuliert hat. Beschwert hatte sich unter anderem das Verbraucherportal Ciao.de, das zum Microsoft-Konzern gehört.

SeitenURL :
Qr Code