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Die jetzt beanstandeten Stellen, die insgesamt mehrere Seiten umfassen, fallen in drei Kategorien. Bei den Fällen, die am schwersten wiegen, finden sich wortgleiche Übereinstimmungen mit Texten, die Guttenberg offenbar weder in einer Fußnote noch im Literaturverzeichnis ausweist. Wären die Texte kopiert, würde dies einen klaren Verstoß gegen geltende Regeln darstellen.

Die entsprechenden Stellen stammen aus der NZZ am Sonntag von 2003 und einem Vortrag, den das Liechtenstein-Institut 2004 veröffentlichte (siehe Dokumentation von SZ und sueddeutsche.de). Sie erstrecken sich zusammen über etwa zwei Seiten. Der Text aus der NZZ ist nur in zwei Details abgewandelt worden. Guttenberg fügte am Anfang ein "möglicherweise" ein und verlagerte einen Einschub der Autorin wortwörtlich in eine Fußnote.

Die zweite Kategorie von Verdachtsfällen betrifft Stellen mit wortwörtlich oder leicht abgewandelten Passagen anderer Autoren, die zwar im Literaturverzeichnis allgemein aufgeführt, im laufenden Text aber nicht zitiert werden. Und schließlich fallen, drittens, Abschnitte auf, in deren Umfeld zwar eine Fußnote auf den Ursprung hinweist. Aus den Hinweisen geht jedoch nicht hervor, dass Guttenberg die Passagen wörtlich und teilweise über mehrere Sätze hinweg direkt übernommen hat.

Sollten sich die Vorwürfe gegen den Minister als wahr herausstellen, könnte Guttenberg der Doktortitel aberkannt werden. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg von 2008 kann der Doktortitel entzogen werden, wenn fremde Passagen "wiederholt und planmäßig" abgekupfert wurden. Entscheidend ist dabei nicht unbedingt der Gesamtumfang, sondern ob sich Plagiate wiederholt finden und als planmäßige Übernahme werten lassen.

In der Praxis lassen viele Unis oft Milde walten, wenn die Arbeit insgesamt noch als Eigenleistung gelten kann. Bei Verstößen gegen Zitierregeln muss nicht immer eine Täuschungsabsicht dahinterstecken. Mitunter verlieren Wissenschaftler den Überblick über ihre Exzerpte oder die Zulieferungen von Mitarbeitern. Mit Schlampigkeit oder Hilfe von anderen erwirbt man sich freilich auch keine akademischen Meriten.

 

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