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„Mangelhaft“ lautet das Testurteil für die Sorte „Voll-Nuss“. Denn in ihr sei ein künstlicher Aromastoff enthalten. Schon kommt der Lieferant unter Druck, da heißt es: So stimmt es nicht.

 

Die Welt der industriellen Fertigung von Lebensmitteln kann verwirrend sein – für die Hersteller, für Produkttester und für die Kunden erst recht.Ritter Sport Jüngstes Beispiel ist ein Streit zwischen dem Schokoladenhersteller Ritter Sport, dem Aromen- und Duftstoffhersteller Symrise und der Stiftung Warentest. Die Stiftung hat die Schokolade der Sorte „Voll-Nuss“ mit dem Testurteil „mangelhaft“ beurteilt, da die Schokolade den chemisch hergestellten Aromastoff Piperonal enthalte. Das Zutatenverzeichnis auf der Packung weise aber nur „natürliches Aroma“ aus. Das führte, wie es im Deutsch eines jedes Prüfers heißt, zur Abwertung.

Als das Thema eine größere Öffentlichkeit erreichte, reagierte Ritter Sport schnell. In einem Blogeintrag heißt es in einem leicht erschütterten Duktus: „Mit Entsetzen haben wir heute die Beurteilung unserer Ritter Sport Voll-Nuss von Stiftung Warentest vernommen.“ Und weiter schreibt die Autorin mit dem Namen Meike: „Die Aussage der mangelnden Verkehrsfähigkeit seitens Stiftung Warentest aufgrund falscher Deklaration können wir nicht teilen. Für die Herstellung verwenden wir ausschließlich natürliche Aromen um das Geschmacksprofil zu unterstützen.“

Der Börsianer hat viel über Lebensmittelchemie gelernt

Brisant wird die Stellungnahme im nächsten Absatz – und zwar für Symrise: „Das von uns eingesetzte natürliche Aroma, welches auch natürliches Piperonal enthält, beziehen wir von einem der weltweit führenden Aromenhersteller, der Firma Symrise AG, Holzminden. Uns liegt eine aktuelle Garantieerklärung seitens der Firma Symrise AG vor, die bestätigt, dass das an uns gelieferte Aroma, welches in der Voll-Nuss zum Einsatz kommt, ausschließlich natürlichen Ursprungs ist, wie auch ausschließlich auf natürlichem Wege gewonnen wird.“ Da schließlich auch die Stiftung Warentest sage, dass die Bewertung nichts mit Qualität und Geschmack zu tun habe, können man sich die „Voll-Nuss“ auch weiterhin schmecken lassen.

Weniger appetitlich fiel die Schokolade zum Frühstück aber für die Aktionäre des börsennotierten Unternehmens Symrise aus. Denn der Aktienkurs ihres Unternehmens fuhr am Freitag im Gleichschritt mit der Nachrichtenlage Achterbahn: Kurzzeitig stand ein Minus von bis zu 4,35 Prozent auf 29,93 Euro zu Buche, später drehten der Aktienkurs dann aber wieder ist Plus. Was war geschehen?

Symrise hatte sich gegen den Vorwurf einer fehlerhaften Belieferung gewehrt: „Wir haben ein Vorprodukt abgeliefert, welches komplett der Deklaration entspricht. Das sind ausschließlich natürliche Aromen, und wir können das auch belegen“, sagte ein Sprecher und das habe man Ritter Sport auch schriftlich bestätigt. Er verwies zudem darauf, dass der beanstandete Stoff Piperonal auch natürlich vorkommt. So hat der Börsianer am Freitag einiges über Lebensmittelchemie gelernt: Offensichtlich ist es nicht einfach nachzuweisen, ob das Aroma natürlich oder chemisch hergestellt worden ist. Für Symrise bleibt es so vielleicht ein Sturm im Wasserglas. Aber für Ritter Sport steht da nun das unappetitliche Urteil „mangelhaft“.

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