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Der milliardenschwere Gründer des Möbelkonzerns Ikea, Ingvar Kamprad, steuert seine weltweiten Geschäfte über eine Liechtensteiner Gesellschaft.

Als schwedischster aller schwedischen Konzerne gibt sich Ikea gerne. Das geht von den blau-gelb gestrichenen Möbelhäusern bis zum Akzent in der Fernsehwerbung, vom Sofa „Ektorp“ bis zu den „Köttbullar“ in der Kantine und dem „Urschweden“ Ingvar Kamprad als Gründer und Aushängeschild:Ingvar Kamprad knorrig und erdverbunden, störrisch und bauernschlau, sparsam bis geizig, wenn er in Bus oder Uraltauto bei seinen Läden vorfährt und sich vergewissert, dass keine Lampe zu viel brennt.

Dieses sorgfältig gehegte Image gilt als ein Grund für Ikeas weltweiten Siegeszug. Mit 127.000 Angestellten ist der Konzern inzwischen in 38 Ländern vertreten, und der Ikea-Katalog ist mit einer jährlichen Auflage von fast 200 Millionen Exemplaren das meist verbreitete Buch der Welt.

Schwedisch ist nur der Anstrich

Die Wirklichkeit ist, wie so oft im Leben, nuancierter. Schwedisch ist bei Ikea nur der Anstrich: das Warensortiment stammt aus der Billigproduktion in Fernost, und Ikeas Besitzer ist offiziell die in den Niederlanden registrierte Stiftung Ingka Foundation. 1982 hat Kamprad ihr sein Lebenswerk überschrieben und seither stets beteuert, dass nicht mehr er den Möbelgiganten kontrolliere. Seiner Familie habe er ein bescheidenes Auskommen gesichert, alles übrige sei in den Händen der Stiftung, deren Aufgabe es sei, für schlechte Zeiten vorzubeugen und Ikeas „ewiges Leben“ zu sichern.

Doch dies ist nur die halbe Wahrheit, entlarvte nun eine Fernsehdokumentation des öffentlich-rechtlichen schwedischen Senders SVT. Die für Enthüllungsjournalistik bekannte Redaktion „Uppdrag Granskning“ (Auftrag Prüfung) dröselte Kamprads Firmennetz auf und fand an der Spitze des Systems eine bisher unbekannte Gesellschaft „Interogo Foundation“, die mit Sitz in Vaduz der Gründerfamilie die Kontrolle über das Unternehmen sichere und ein nur ihr zugängliches Vermögen von 100 Milliarden Kronen – mehr als elf Milliarden Euro – angehäuft habe.

Kamprad habe alles getan, um die Verbindung zwischen Interogo und Ikea geheim zu halten. Nach der Sendung am Mittwoch bestätigte dieser die Existenz der von der Anwaltskanzlei Marxer und Partner verwalteten Stiftung in Liechtenstein. Ihr einziges Ziel sei, in die „Expansion des Unternehmens zu investieren“ und dessen „langsichtiges Überleben“ zu sichern. Interogo werde von „meiner Familie“ kontrolliert, schreibt Kamprad, was im Klartext heißt: vom Gründer selbst. Der 84-Jährige hat den Griff auf sein Imperium nie gelockert und seinen Söhnen zweitrangige Positionen angewiesen.

Interogo ist laut „Uppdrag Granskning“ der Eigentümer der Firma Inter Ikea, die das wahre Machtzentrum des Möbelreichs ist. Inter Ikea besitzt das Warenzeichen Ikea und dadurch das gesamte in den Möbelhäusern feilgebotene Warensortiment. „Copyright Inter Ikea Systems“ steht auf jedem Stuhl, jedem Krug und jedem Blumentopf. Drei Prozent von jedem Verkaufspreis, ob Sitzgarnitur oder Glühbirne, fließen als Royalties an Inter Ikea. Steuerfrei: für die Warenhäuser ist die Abgabe ein abzugsfähiger Ausgabenposten. Inter Ikea hat seine Zentrale im belgischen Waterloo, den offiziellen Hauptsitz aber in Luxemburg, aus Steuergründen.

„Steuerplanung“ sei ein wichtiger Teil von Ikeas Firmenkultur, behauptet Kamprads ehemaliger Assistent Johan Stenebo, der ein kritisches Buch über seinen Ex-Chef geschrieben hat: „Mehr zu bezahlen, als absolut notwendig ist, gilt bei Ikea als Todsünde.“

Mehr als 20 Jahre lang gelang es Kamprad, die Existenz von Interogo geheim zu halten, dann brachten mehrere Transaktionen, bei denen Ikea-Firmen – angeblich aus Steuergründen – verlagert und gelöscht wurden, die SVT-Reporter auf die Spur des Machtzentrums. Eine Holdinggesellschaft wurde von Luxemburg nach Curacao verlegt und dort liquidiert. Als Liquidator trat Interogo auf, die Milliarden flossen nach Liechtenstein. Bei der Suche dort stießen die Journalisten auf eine Mauer des Schweigens. In Interogos Statuten heißt es ausdrücklich, dass Außenstehende, „vor allem ausländische Behörden“, über die „faktischen und rechtlichen Umstände“ der Stiftung keine Auskunft erhalten dürften. Als Reporter Magnus Svennungsson später Kamprad fragte, warum er die Stiftung nach Liechtenstein verlagert habe, bekam er nur ein barsches: „Wie kannst du so blöd fragen?“ zur Antwort.

Ikeas Steuertricks sind ebenso wenig illegal wie die Tatsache, dass Kamprad auch in hohem Alter sein Imperium und sein Vermögen strikt selbst verwaltet. Bleibt die Frage, warum er daraus bisher ein Geheimnis machte? Aus Imagegründen, vermutet Svennungsson. „Das Bild vom schrulligen Sonderling lässt sich schwer mit einem Milliardär in Einklang bringen, der eine undurchdringliche Unternehmensfestung aufgebaut hat.“

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